DGIM-Kampagne zu „Klug entscheiden“

Ziel: Vermeidung von Über- und Unterversorgung

Ziel: Vermeidung von Über- und Unterversorgung
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch © Schunk

Das Problem ist konkret: Viele Ärzte fragen sich: Was passiert, wenn ich bestimmte Tests oder Therapien – vor allem, wenn Patienten sie massiv einfordern – nicht durchführe? Die Sorge vor juristischen Konsequenzen bei Überdiagnostik und Übertherapie ist real.

„Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen ein klares Werkzeug an die Hand geben, das ihnen Sicherheit gibt“, betont der Generalsekretär der  Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Prof. Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch, im Gespräch mit der Redaktion von DGIM Onlinekongress. Neben der Sorge vor juristischen Konsequenzen (beim Unterlassen wichtiger Maßnahmen) seien auch die Anspruchshaltung mancher Patienten sowie die „Incentivierung“ von Ärzten im Gesundheitssystem zu nennen, die zu einer stärkeren Belohnung des „Handelns“ im Vergleich zum „Unterlassen“ führten.

Erstellt werden soll eine Liste mit Tests und Therapien, die trotz fehlender Evidenz häufig durchgeführt werden, ohne dass Patienten davon profitieren oder durch die sie sogar Schaden nehmen können. Fölsch nennt als ein potenzielles Beispiel die Bildgebung bei Rückenschmerz – „und zwar bevor man eine sechswöchige konventionelle Therapie angewendet hat“.

Die angestrebte Liste entsteht in Kooperation mit den Schwerpunktfachgesellschaften der Inneren Medizin, die von der DGIM bereits alle angeschrieben wurden. Folgende Ziele möchte die DGIM mit ihrer Initiative „Klug entscheiden“ erreichen:

  • Eine hohe Qualität der evidenzbasierten Patientenversorgung langfristig sicherstellen.
  • Die Patienten in diagnostische und therapeutische Entscheidungen einbeziehen („partizipative Entscheidungsfindung“).
  • Sicherung von medizinischen Innovationen auch in der Zukunft.
  • Schaffung neuer Ressourcen durch gute Medizin.

„Eines ist uns dabei besonders wichtig: Die Ressourcen, die durch Einsparungen hierbei geschont werden, wollen wir selbstverständlich dort wieder einsetzen, wo es derzeit eine entsprechende ,Unterversorgung´ gibt“, fügt Fölsch an. Man strebe eine so genannte „Positiv-Liste“ an, die sich auf Bereiche der Unterversorgung konzentrieren soll, um eine sinnvolle und fundierte Ressourcenverwendung sicherzustellen.   

Die Kampagne lehnt sich an das US-amerikanisches Vorbild „Choosing wisely“ an, für das sich unter der Leitung der US-amerikanischen Gesellschaft für Innere Medizin bis heute bereits mehr als 60 medizinische Fachgesellschaften engagieren: Es wurden für jedes Fachgebiet jeweils fünf diagnostische Tests und Therapien benannt, die trotz fehlender Evidenz häufig durchgeführt werden, ohne dass Patienten davon profitieren oder durch die sie sogar Schaden nehmen können. Jede dieser Listen ist gestützt durch die evidenzbasierten Empfehlungen klinischer Leitlinien oder zumindest durch den Konsens von Experten.

Bis zum Beginn des Jahreskongresses der DGIM im April 2015 in Mannheim will man alle Schwerpunktgesellschaften der Inneren Medizin in diese Kampagne angesprochen haben mit der Bitte, sich dieser Aktion anzuschließen.

Fölsch: „Die Initiative basiert auf den Prinzipien der methodischen Transparenz, medizinischen Evidenz und Kooperation der verschiedenen Fachgesellschaften mit allen wesentlichen Partnern des deutschen Gesundheitswesens. Wir als DGIM sind davon überzeugt, dass mit dieser Kampagne die Qualität der Patientenversorgung verbessert werden kann.“