Translationale Krebs-Forschung

Ziel: Sequenzierung der Tumoren

Ziel: Sequenzierung der Tumoren
Prof. Dr. Christian Reinhardt © DGIM

Einen  verstärkten Fokus auf eine translationale Forschung fordert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin. Nur wenn sich die beteiligten Fachgebiete in der Krebsforschung bestmöglich vernetzen könne es gelingen, neues Grundlagenwissen in die Klinik und zum Patienten zu bringen.

Mit rund einer halben Million neu diagnostizierter Krebspatienten rechnen Forscher alleine im Jahr 2014. Etwa die Hälfte der Betroffenen wird an ihrer Erkrankung versterben. Um die Prävention, Diagnostik, aber auch Therapie für die Patienten zu verbessern, ist ein Ineinandergreifen der beteiligten Fächer dringend erforderlich. Bei der translationalen Krebsforschung arbeiten Ärzte, Biologen, Grundlagenwissenschaftler und Pharmakologen eng zusammen und entwickeln so gemeinsam neue Wege in der Behandlung von Krebs.

Traditionell handele es sich hier eher um voneinander getrennte Bereiche. „Die Translation bringt sie zusammen, eröffnet eine neue Dimension der Krebsforschung und stiftet – das ist das Hauptziel – großen Nutzen für unsere Patienten“, so Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln.

Diagnostik mittels Genomsequenzierung

Erstes Mittel der Wahl zur Diagnostik ist die Genomsequenzierung. Sie ist heute um ein Vielfaches schneller und günstiger als noch vor wenigen Jahren. „Ergebnisse erhalten wir in wenigen Tagen – und das für ein paar Hundert Dollar“, wie Prof. Dr. Christian Reinhardt von der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln betont. So lasse sich rasch an den Tumorarten das mutierte Eiweiß erkennen, das dann gezielt in seinem Wachstum behindert werden kann. Die Verwendung dieser Technologie erfordere allerdings eine Erweiterung der Ausbildung.

Die Validierung neuer Ansätze sowie die Erprobung eines neuen Medikaments erfolgen dann modellhaft an genetisch definierten Tiermodellen humaner Krebserkrankungen sowie an menschlichen Zellen und Geweben. „Die neu studierten Wirkprinzipien wiederum finden bei Erfolg im Modell eine klinische Anwendung am Patienten“, erklärt Reinhardt und betont: „Der große Vorteil an diesem Vorgehen ist, dass Patienten auf diese sehr gezielte, individuelle Therapie besser ansprechen.“

Lebens- und Therapiezeit gewinnen

Zudem blieben ihnen unnötige Therapien mit Präparaten erspart, die bei ihnen nicht wirken, weil der Krebs dagegen resistent ist – diese Zeit sei zudem wertvolle Lebens- und Therapiezeit.

Daran knüpft sich auch die Frage, ob eine umfassende Genanalyse für alle Patienten durchführbar sein wird und wie die Patientendaten zu schützen sind. Zu berücksichtigen sei zudem eine weiterer Aspekt: „Wie gehen wir mit Informationen um, nach denen wir gar nicht gesucht haben – etwa mit Informationen über Zweiterkrankungen, die nicht Tumoren sind?“