Zeit ist Gelenk

Zeit ist Gelenk

Über die „Treat-to-Target“-Initiative und deren Strategien zur RA-Therapie berichtet Prof. Dörner: Der Behandlungserfolg von entzündlichem Rheuma ist abhängig vom Behandlungsbeginn, meint Prof. Dr. Thomas Dörner von der Medizinischen Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité. 

Zeit ist Gelenk!“, betont Dörner: „Je länger die RA unbehandelt fortschreitet, desto stärker werden Gelenke und Knochen in Mitleidenschaft gezogen.“ Patienten sollten spätestens 12 bis 16 Wochen nach den ersten Symptomen einen Facharzt aufsuchen. Dies sei oft nicht leicht, da es noch immer zu wenig Rheumatologen gebe.

Für den Erfolg sei es aber auch notwendig, die Therapie strukturiert zu überprüfen und immer wieder zu hinterfragen, ob sie wirkt. „In der Rheumatologie fehlten jedoch bislang Strategien zur Kontrolle der Rheumatoiden Arthritis“, so Dörner. So kamen leider die in den vergangenen 15 Jahren entwickelten Therapien nicht allen Patienten zugute, bedauert der Experte. Entweder wurde die Diagnose zu spät gestellt oder aber ein Medikament brachte nicht den gewünschten Erfolg, wurde aber trotzdem nicht anders dosiert oder gewechselt.

Man darf keine Zeit verlieren:

„Heute wissen wir, dass wir keine Zeit verlieren dürfen“, so der Rheumatologe weiter. „Deshalb arbeiten wir auch intensiv an Präparaten, die zügig wirken, so dass wir schon nach kurzer Zeit entscheiden können: Sind wir auf dem richtigen Weg und verfolgen ihn weiter oder brauchen wir eine andere Medikation?“

Bei anderen chronischen Erkrankungen orientieren sich Ärzte seit Langem an Therapiezielen: Blutzucker oder Blutdruck beispielsweise dürfen im Rahmen einer Therapie bestimmte Grenzwerte nicht unter- oder überschreiten. Aber auch bei Rheuma lassen sich messbare qualitative und quantitative Ziele festlegen.

In den vergangenen vier Jahren setzte nun eine internationale Expertengruppe in der „Treat-to-Target“-Initiative Strategien für die RATherapie fest. Danach sollte sich der Patient alle drei bis sechs Monate dem Arzt vorstellen.

Dieser prüft, wie die Therapie wirkt und passt sie gegebenenfalls den Zielen an. Als wichtige Parameter für den Behandlungserfolg legten die Experten den Entzündungsindikator DAS-28 fest. Um die Krankheitsaktivität zu bewerten, entwickelten sie darüber hinaus den Clinical Disease Activity Index (CDAI) und den Simplified Disease Activity Index (SDAI). Sind diese Werte dauerhaft im gewünschten Bereich, ist das wichtigste Behandlungsziel erreicht.

Besonders wichtig sei, den Patienten eng einzubinden und auf seine Befindlichkeiten einzugehen. Denn er müsse die Therapie eigenverantwortlich im Alltag umsetzen. Für andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie etwa die Spondylarthritis und für den systemischen Lupus erythematodes (SLE) habe sich die „Treat-to-Target“-Initiative ebenfalls formiert.