Wirksam sind nur Restriktionen

Wirksam sind nur Restriktionen
Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen

Dass insbesondere die Ernährung als extrinsischer Faktor Einfluss auf die Altersgesundheit nimmt,  darauf verwies Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen auf gewohnt engagierte Art. Um bevölkerungsweite Effekte zu erzielen, rät sie zu restriktiven Maßnahmen – etwa zur Festlegung von Oberwerten für den Salzgehalt in Nahrungsmitteln.

Kaum eine Krankheit existiert, die nicht irgendeinem ernährungsabhängigen Einfluss unterliegt.  So hätten Experimente mit Mäusen und Schimpansen nachgewiesen, dass bei einem „food restriction protocol“ die durchschnittliche Lebenszeit sowie Blutdruckwerte und Blutzuckerspiegel  bei den Tieren unter kalorischer Restriktion signifikant besser ausfielen.

Die Bevölkerung verzehrt im Vergleich zu früheren Untersuchungen deutlich mehr Fett, mehr Salz, weniger Ballaststoffe und mehr tierische Eiweiße als empfohlen. Gefördert wird diese Entwicklung durch häufiger vorkommende Single- und Seniorenhaushalte, die gestiegene Zahl berufstätiger Frauen und der signifikant gestiegene Fast Food-Konsum.  Steinhagen-Thiessen verwies auf Maßnahmen in Finnland, die die ernährungsbedingten Krankheiten etwa durch die Festlegung von Salzgehaltoberwerten in der Nahrung nachweislich reduzieren konnten. Sie wünscht sich ähnliches für Deutschland und regt an, über finanzielle Anreize das Bewusstsein der Menschen zu verändern. Und sie empfiehlt, mediterrane Ernährung mit viel Fisch zu propagieren.

 „Aging is not that bad“, lautete der Titel der Sondersitzung der Korporativen DGIM-Mitglieder am Montagnachmittag, auf der Steinhagen-Thiessen zu hören war. Die Experten unterschiedlicher Fachbereiche befassten sich dabei mit Fragen des demografischen Wandels.  

Dem Thema Sarkopenie widmete Prof. Dr. Cornel Siebert seinen Vortrag. Die über das normale Altern hinaus bestehende Abnahme von Muskelmasse und –funktion zu beheben, verhindere auch eine damit vergesellschaftete Gebrechlichkeit  (Frailty) und habe damit eine relevante  gesamtgesellschaftlichen Komponente. Schritt eins zur Verbesserung der Situation sei die Prophylaxe. Durch regelmäßiges körperliches Training sei der Muskelabbau zu minimieren, beziehungsweise die verlorene Muskelmasse wieder aufzubauen. Gepaart mit kalorisch und inhaltlich ausgewogener Ernährung komme es zu kumulierten positiven Effekten.

Siebert kündigte auch an, dass in naher Zukunft medikamentöse Therapieoptionen, die derzeit in der klinischen Testung seien, zur Verfügung stünden. Insbesondere handele es sich um Myostatin-Antikörper.