TheraKey Konzept
BERLIN-CHEMIE

Wie die Digitalisierung den Praxisalltag verändert

Wie die Digitalisierung den Praxisalltag verändert
Neue Technologien unterstützten den Arzt

Als innovatives Instrument, das als verlängerter Arm des Arztes in der Therapiebegleitung dienen soll, stellte BERLIN-CHEMIE in Berlin das TheraKey Konzept vor. Es soll den Arzt in seinem Alltag entlasten und gleichzeitig die Kommunikation mit dem Patienten verbessern.

Am 26. und 27. Juni 2015 fand in Berlin der erste Kongress statt, der die Arzt-Patienten-Kommunikation im digitalen Zeitalter zum Thema hatte. Experten unterschiedlichster Fachgebiete diskutierten mit fast 500 Allgemeinmedizinern und Fachärzten, welche Möglichkeiten und Chancen die zunehmende Digitalisierung für die Arztpraxis bringt. Im Fokus des Kongresses, der von der BERLIN-CHEMIE AG und Springer Medizin initiiert worden war, stand dabei stets die Fragestellung: Wie wird das Internet den Praxisalltag und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verändern?

Dabei wurde die unterschiedliche Erwartungshaltung von Ärzten und Patienten an neue Informationstechnologien ebenso beleuchtet wie der Nutzen digitaler Medien für den Praxisalltag. „Auch wir als Pharmaunternehmen sehen die Auswirkungen des digitalen Wandels auf Ärzte und Patienten. Wir wissen auch, dass die Arzt-Patienten-Kommunikation eine wichtige Rolle bei der Adhärenz spielt. Dabei möchten wir unterstützen. Mit dem Kongress sollen neue Impulse gegeben werden, wie die Digitalisierung für Arzt und Patient genutzt werden kann“, sagte Dr. Roger Limberg, Direktor Medizin & Forschung der BERLIN-CHEMIE AG, zum Engagement des Unternehmens.

Arzt-Patienten-Verhältnis hat sich verändert

Das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis ist maßgeblich für den Behandlungserfolg verantwortlich. Es hat sich aber im Laufe der letzten Jahrzehnte grundlegend verändert – aufgrund des medikamentösen, technologischen und nicht zuletzt gesellschaftlichen Fortschritts. So zeigte die gerade veröffentlichte Philips-Studie, dass zwar 65 % der Deutschen das Internet aufgrund der ständigen Verfügbarkeit bei Gesundheitsfragen nutzen, aber nur 18 % den Gesundheitsportalen und Fachforen großes Vertrauen entgegen bringen [1]. Einer der Gründe für das geringe Vertrauen: Suchanfragen liefern oft widersprüchliche Informationen.

Diese Entwicklung birgt völlig neue Herausforderungen für alle Beteiligten, denn: Auf der einen Seite bleibt der Patient unsicher zurück und benötigt für die Interpretation der Ergebnisse aus dem Internet den Arzt. Auf der anderen Seite müssen Ärzte, die ohnehin einer immer höheren Belastung durch zeitliche, ökonomische und technische Rahmenbedingungen ausgesetzt sind, diesen gestiegenen Anforderungen seitens der Patienten nachkommen. „Die Schwierigkeit, vor der die Arztpraxis im Jahr 2015 steht, ist der Zeitmangel“, fasste Dr. med. Carl-Heinz Müller, Facharzt für Allgemeinmedizin, die Situation zusammen. „Steigende Multimorbidität, zunehmende Dokumentation und Bürokratie, demografischer Wandel und nicht zuletzt der Ärztemangel führen zu einer immer höheren Belastung. Es kommt immer mehr Arbeit auf uns zu“, erklärte der niedergelassene Arzt.

Der Arzt als Mediator und Moderator

Die Patienten von heute möchten stärker in den therapeutischen Entscheidungsprozess einbezogen werden. Die digitalen Informationen können dabei helfen, aber auch verwirren. Ein Problem, das der Arzt schließlich in der Sprechstunde lösen muss: „Ich bin Hausarzt, ich bin aber auch der Mediator und der Moderator der Patienten“, beschrieb Müller die Lage in der täglichen Praxis.

Er sieht den durch das Internet informierten Patienten aber vor allem als Chance für seine tägliche Sprechstunde: „Der Patient, der wirklich mitarbeitet, der sich informiert und schlau macht, sich auseinandersetzt mit seiner Erkrankung, sie sinnvoll angeht und sagt ‚Ich mache etwas dagegen‘ – das ist doch eigentlich der Patient, den wir wollen“, stellte Müller fest. „Wichtig ist dabei: das ärztliche Gespräch ist das A & O unserer Medizin und durch nichts zu ersetzen.“

Arzt ist Vertrauensperson und Therapieverstärker

Professor Manfred Schedlowski, Direktor des Institutes für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen, verwies in seinem Vortrag auf die wichtige Rolle des Arztes als Vertrauensperson: „Der Arzt steht bei Patienten an erster Stelle, was die Gesundheitsinformation anbelangt: 73 % der Patienten informieren sich im persönlichen Gespräch mit dem Arzt.“ Schedlowski betonte aber auch die Rolle des Arztes als Therapieverstärker.

Anhand zahlreicher Beispiele zeigte der wissenschaftliche Leiter des Kommunikationskongresses eindrucksvoll, wie die Kommunikation die Erwartungshaltung und damit den Therapieerfolg der Patienten positiv beeinflussen kann: „Patienten-erwartungen sind beeinflussbar im Sinne einer Placebo-Antwort, und dies am besten durch die Kommunikation mit dem Arzt.“

Stärkere Differenzierung je nach Informationsstand

Dr. Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und Patientenvertreterin im Gemeinsamen Bundesausschuss, bestätigte, dass Patienten durch die Möglichkeit, sich im Internet informieren zu können, und durch die neuen Möglichkeiten von E-Health vom Arzt ein verändertes Informationsmanagement erwarten. So würden beispielsweise Patienten mit einem hohen Informationsbedürfnis und zugleich einem hohen Vertrauen in die Medizin auch besonders hohe Erwartungen an ihren Arzt stellen und die Therapieentscheidung gemeinsam mit ihm treffen wollen.

Diese sogenannten „Cotherapeuten“ könnten daher beispielsweise besonders von digitalen Tools und E-Health-Angeboten profitieren und würden sich diese vom Arzt auch wünschen [2]. Köster betonte jedoch, dass Dreh- und Angelpunkt das Arzt-Patienten-Gespräch bleibe. Auch Karin Maag, Mitglied des Deutschen Bundestages, sieht nicht, dass das Internet irgendwann den Arzt ersetzen wird. Im Gegenteil: „Informationen aus dem Internet können vielleicht helfen, bei bestimmten Erkrankungen die Hemmschwelle zu überwinden und mit dem Arzt zu sprechen.“

Neue Technologien können Arzt im Alltag unterstützen

Torsten Flöttmann, Leiter Marketing Deutschland der BERLIN-CHEMIE AG, bekräftigte in seinem Vortrag: „Der Arzt ist zentral für den Therapieerfolg“, und: „Er kann durch neue Technologien in seinem Alltag unterstützt werden.“ Flöttmann zeigte anhand des TheraKey Konzeptes als Fallbeispiel, wie sich digitale Medien innovativ in die Arztpraxis integrieren lassen. „Allererstes Ziel bei der Entwicklung des TheraKey Konzeptes war für uns immer, den Arzt in seinem Alltag zu entlasten und die Therapiehoheit des Arztes in Zeiten eines Überangebotes teils mangelhafter Informationen zu erhalten. Gleichzeitig soll, unter Einbindung der Angehörigen, die Kommunikation mit dem Patienten verbessert werden.“

Durch umfassende Maßnahmen wie beispielsweise dem TheraKey Onlineportal, welches aktuell für sieben große Indikationen der BERLIN-CHEMIE AG (COPD, Diabetes mellitus Typ 1 und 2, Hypertonie, Gicht, Angina pectoris und Ejaculatio praecox) aufgebaut wird, soll die Information der Patienten und deren Angehörigen in der Praxis, zu Hause und unterwegs gewährleistet werden. Dies soll zu mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung führen und damit die Adhärenz fördern.

Therapietreue soll verbessert werden

„Die Steigerung der Effektivität von Maßnahmen zur Förderung der Therapietreue hat wahrscheinlich einen weitaus größeren Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung, als die Verbesserung einer spezifischen medizinischen Behandlung“, zitierte Flöttmann aus einer Studie von Haynes et al [3]. Er hob hervor, dass sein Unternehmen dazu beitragen möchte, die Therapietreue der Patienten vor allem bei den großen Volkskrankheiten wie COPD, Hypertonie oder Diabetes mellitus langfristig zu verbessern. „Natürlich tun wir das nicht ganz ohne eigenen Nutzen – eine erhöhte Adhärenz macht sich ja für uns auch wirtschaftlich bemerkbar.

Aber: Jede nicht genommene Tablette ist auch volkwirtschaftlich teurer als die genommene und mindert zudem die Chance auf eine erfolgreiche Therapie enorm. Die direkten und indirekten Kosten mangelnder Therapietreue für die Volkswirtschaft werden zurzeit auf 20 Milliarden Euro geschätzt [4]. Dies ist grundsätzlich ein Thema, welches uns gemeinsam in Zukunft immer mehr beschäftigen wird“, erklärte Flöttmann.

Das TheraKey Onlineportal als zentraler Bestandteil des TheraKey® Konzeptes dient der Unterstützung des Arzt-Patienten-Gespräches. Für das produktneutrale Portal übergibt der Arzt seinem Patienten die Zugangsdaten in Form eines Webkeys. „Wichtig ist doch für den Arzt, dass er den Patienten auch außerhalb der Sprechstunde gut betreut weiß, mit all seinen Fragen zur Erkrankung und Therapie. Mit dem Webkey können der Patient und seine Angehörigen von zu Hause aus auf laienverständliche, aktuelle und hochwertige Informationen zu ihrer Erkrankung und Therapie, zum Beispiel zum Diabetes Typ 1, zugreifen“, beschrieb Flöttmann, der aktiv an der Initiierung des Konzeptes beteiligt war.

„Wir wollten aber nie, dass Patienten einfach ‚nur‘ Informationen erhalten, sondern das Portal sollte immer aktivieren und nach den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden können.“ Daher werden Patienten und Angehörige in Zukunft in einem selbst angelegten, passwortgeschützten Profil alle Inhalte des TheraKey Onlineportals individualisiert nutzen und ihren speziellen Bedürfnissen entsprechend anpassen können. Bezüglich Datenschutz und Datensicherheit sowie der Evaluation des Portals kooperierte die BERLIN-CHEMIE AG mit dem Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT).

Digitale Services – das Potenzial der Digitalisierung für die Arztpraxis

Auch Markus Müschenich vom Bundesverband Internetmedizin verdeutlichte in der Schlussdiskussion die Bedeutung der Digitalisierung. „Die digitale Welt bedient das Vakuum, in dem sich der Patient befindet, wenn er alleine ist. Der Erfolg der mobilen Gesundheitsbegleiter liegt unter anderem darin, dass sie den Patienten in diesem Vakuum erreichen.“ Torsten Rehder vom Trendforschungsunternehmen TRENDONE zeigte die Chance für den Arzt auf: „Das Potenzial der Digitalisierung für die Arztpraxis von morgen ist die Steigerung der Effizienz und der Kundenbindung durch digitale Services. Von der akuten Behandlung im Sprechzimmer bis hin zu einer immer permanenteren Betreuung durch die Technologie.“

Wichtig sei es jedoch, diese Technologie nicht als Ersatz, sondern als verlängerten Arm des Arztes zu verstehen: „Sie wird als vertrauensbildende Maßnahme zunehmend an Bedeutung gewinnen, und zwar nicht trotz der Technologie, sondern wegen der Technologie.“

Quelle:
Kongress der BERLIN-CHEMIE AG und Springer Medizin: Apple, Google & Co: Wie die zunehmende Digitalisierung Ihren Praxisalltag verändern wird, Berlin, 26.-27. Juni 2015

Literatur:

[1] Philips Gesundheitsstudie 2015

[2] Marstedt, Buitkamp, Braun: Eine Patiententypologie, Gesundheitsmonitor 2007, Bertelsmann-Stiftung

[3] WHO 2003; Haynes RB: Cochrane Database of Systematic Reviews 2001; 1

[4] Ärzte Zeitung, 18.07.2014