Virushepatitiden von A bis E – Was ist neu?

Virushepatitiden von A bis E – Was ist neu?
Prof. Heiner Wedemeyer
Foto: DGIM/Sven Bartulic

Wiesbaden – Prof. Dr. Heiner Wedemeyer gab einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Therapie viraler Hepatitiden in den letzten Jahren.

Die Therapie viraler Hepatitiden habe sich in den letzten 15 Jahren kontinuierlich verändert und erfahre aktuell mit der Einführung Interferon-freier Therapien für die Hepatitis C eine erneute Revolution.

Hepatitis-A-Ausbrüche kämen auch in Deutschland immer wieder vor, selten könne es dabei zum Leberversagen kommen. „Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht“, hielt Wedemeyer fest. „Im Grundlagenbereich gab es im letzten Jahr zum Hepatitis-A-Virus eine bahnbrechende Publikation, die zeigte, dass das ‚nackte‘ HAV Wirtsmembranen aus Exosomen zur eigenen Hülle macht und damit in bestimmten Situationen Antikörpererkennungen umgehen kann“, sagte Wedemeyer (Feng, Lemon et al., Nature 2013).

In den letzten Jahren wurden gut etablierte Leitlinien zur Behandlung der Hepatitis B publiziert, die auch weiterhin Gültigkeit haben (DGVS: Cornberg et al., Z Gastroenterol 2011; EASL: J of Hepatology 2012). Durch potente HBV-Polymeraseinhibitoren könne beispielsweise eine effektive Hemmung der Virusreplikation erreicht werden, wobei die Resistenzentwicklung mit den hochpotenten Substanzen Entecavir und Tenofovir praktisch kein Problem mehr darstelle. Im letzten Jahr sei in mehreren Studien gezeigt worden, dass eine erfolgreiche Langzeittherapie der Hepatitis B mit einer Rückbildung von frühen Leberzirrhosen und einer Reduktion der Bildung hepatozellulärer Karzinome assoziiert sei.

Neue Epoche: Zahlreiche neue direkt antivirale Medikamente


„Mit der Entwicklung zahlreicher neuer direkt antiviraler Medikamente ist eine neue Epoche in der Therapie der chronischen Hepatitis C angebrochen“, sagte Wedemeyer. Im Januar 2014 ist ein hochpotenter nukleotidischer Polymeraseinhibitor (Sofosbuvir) gegen HCV zugelassen worden, der in Kombination mit Ribavirin erstmals eine Interferon-freie Therapie zumindest für die HCV-Genotypen 2 und 3 sowie im Falle einer Interferon-Kontraindikation auch für die anderen Genotypen ermögliche. „Im Laufe des Jahres 2014 werden weitere direkt-antivirale Substanzen zugelassen werden, was die therapeutischen Möglichkeiten weiter verbessern wird“, sagte Wedemeyer. (Im Mai wurde beispielsweise Simeprevir zugelassen).
Die Hepatitis D könne nur als Koinfektion bei Hepatitis B auftreten. Die einzige wirksame Therapieoption sei PegIFN-Interferon alfa. Eine große Studie des Kompetenznetzes Hepatitis habe aktuell gezeigt, dass etwa ein Drittel der Patienten von einer Therapie von bis zu zwei Jahren profitiert.

HEV-Infektionen seien in Deutschland wahrscheinlich sehr viel häufiger als bisher angenommen, da zoonotische Übertragungen zum Beispiel durch Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Schweinefleisch möglich sind. Eine Ribavirinmonotherapie sei effektiv und sollte über 3–5 Monate durchgeführt werden (Pischke et al., Liver International 2013). (mr)