Feinstaub: Silversterraketen und Rauchen schlimmer als Autos

Viel Lärm um wenig?

Viel Lärm um wenig?
Prof. Hans Drexler ordnete die Bedenken bezüglich der Feinstaubbelastung des Menschen ein. Reinhart

Um Emissionswerte wird seit den Skandalen in der Automobilbranche viel diskutiert: Wie sehr muss man sich tatsächlich über die Feinbstaubbelastung sorgen?

Der aktuelle EU-Feinstaubgrenzwert wurde 2005 verabschiedet. Seit diesem Zeitpunkt war klar, dass die Werte ab dem Jahr 2010 EU-weit verpflichtend gelten würden. „Das hat damals aber noch niemanden interessiert“, sagte Prof. Dr. Hans Drexler, Erlangen-Nürnberg. Mit dem Aufkommen der Dieselskandale bzw. der grundsätzlichen Kraftausstoß-Debatte wurde über dieses Thema viel diskutiert und geschrieben. „Die Emission von Stickstoffoxiden kann kaum vom Ausstoß anderer Luftschadstoffe bzw. Umweltschadstoffe getrennt werden“, sagte Drexler. Feinstaub werde durch menschliches Handeln erzeugt, habe aber eben auch natürlichen Ursprung. 90 Prozent des Feinbstaubs entstehen aus letzterer Kategorie, es handelt sich um Aerosol aus dem Meerwasser, Partikel aus vulkanischer Aktivität usw.

Die vom Menschen verursachten Emissionen stammen aus industriellen Heizungsanlagen, Kfz-Verkehr und auch Hausbränden. Bei Kraftfahrzeugen beschränke sich der Ausstoß nicht auf die Verbrennung des Kraftstoffs, auch der Reifenabrieb spiele eine Rolle. „Wenn wir nur noch mit E-Autos fahren, ist es also nicht komplett vorbei mit dem Ausstoß von Feinstaubpartikeln“, hielt Drexler fest.

Hohe Belastung durch Tabak

Auch Tabakrauch verursache eine erhebliche Feinstaubbelastung. „Als in Gaststätten noch geraucht werden durfte, war die Feinstaubbelastung exzessiv“, sagte Drexler. Wer einen Raucher im Haus habe, brauche sich über die Belastung außerhalb des Hauses keine Sorgen mehr zu machen. Die an Silvester abgeschossenen Raketen machten einen großen Anteil der jährlichen Feinstaubbelastung aus.

Die höchsten Staubbelastungen auf der Welt werden in Asien gemessen (Bangladesch, Indien, Pakistan, China), Europa liege hinter diesen Nationen deutlich zurück. „Es stirbt niemand durch Feinstaub, das Leben wird lediglich verkürzt. Die Frage ist – um wie viel?“, fragte Drexler.

Studien belegen Konsequenzen

Durch die Daten aus Kurzzeitstu‧dien sei mittlerweile weitgehend gesichert, dass sich folgende Konsequenzen aus einer hohen Feinstaubbelastung ergeben können: eine erhöhte Sterblichkeit an Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Zunahme des Medikamentenverbrauchs bei Asthmatikern, die Verstärkung allergischer Symptome (Heuschnupfen, Asthma), eine höhere Zahl an Krankenhauseinweisungen, häufiger vorkommende infektiöse Atemwegserkrankungen und Husten. In Langzeitstudien wurden zudem die Verschlechterung der Lungenfunktion sowie das Entstehen der chronischen Bronchitis nachgewiesen.

Trotzdem: Faktoren wie Rauchen, Trinken oder eine Fehlernährung seien deutlich relevanter für die Lebenserwartung des Menschen als die Feinstaubbelastung.