COPD – quer und interdisziplinär durch den Fall

Vertrauensvolle interdisziplinäre Zusammenarbeit

Vertrauensvolle interdisziplinäre Zusammenarbeit
©Reinhart

Beim Industriesymposium von Berlin-Chemie „COPD – quer und interdisziplinär durch den Fall“ zeigten eine Allgemeinmedizinerin, ein Pneumologe und eine Kardiologin ihre interdisziplinäre Zusammenarbeit exemplarisch an einem echten Patientenfall.

Da ein Patient mit seinen erstmals auftretenden Beschwerden in der Regel zunächst zum Hausarzt kommt, stellte Allgemeinmedizinerin Dr. Petra Sandow, Berlin, den Fall vor.

Der im Fallbeispiel behandelte Patient (64, männlich, pensionierter Anästhesist) hatte in der Jugend immer wieder über Atemnot bei Belastung zu klagen, der Verdacht auf Asthma wurde geäußert, aber nie richtig diagnostiziert. Seit fünf Jahren lag eine Belastungsdyspnoe vor, Fitness und Golf waren möglich, die Luftnot machte sich jedoch zunehmend bemerkbar.

Seit fünf Tagen klagte der Patient nun über Atemnot selbst bei geringer Belastung; Husten und Fieber lagen jedoch nicht vor. Der Patient war bis vor zwölf Jahren Raucher und hatte aufgrund seiner medizinischen Vorkenntnisse bereits eine Selbstmedikation mit einigen Präparaten versucht. „Ich habe gedacht: ‚Hoffentlich ist das nichts mit dem Herzen‘, und den Patienten zunächst subakut zum Kardiologen überwiesen“, sagte Sandow.

Erweiterte Anamnese

Die Kardiologin Dr. Claudia Zemmrich erweiterte zunächst die Anamnese. Der Patient hatte leichtes Übergewicht, Tachykardie, regelmäßigen Puls, keine Ödeme und keine Auffälligkeit bei der Familienanamnese. „Für die Anamnese ist es perfekt, wenn wir direkt vom Hausarzt ein EKG mitbekommen“, sagte Zemmrich. Sie selbst mache zwar definitiv auch eines, dann könne sie jedoch beide Ergebnisse miteinander vergleichen.

 Sie riet, den Patienten auf Lungenembolien zu checken – das EKG könne auch bei schweren Ausprägungen unauffällig sein. Man solle den Wells-Score und den D-Dimer-Test anwenden; Letzterer versage jedoch bei klinischer Vorauffälligkeit. Eine Echokardiografie sei ebenfalls sinnvoll, könne eine Lungenembolie jedoch genauso wenig ausschließen wie das EKG.

Der Patient kam zu Sandow zurück, Zemmrich konnte keine kardiologische Ursache für die plötz‧lichen Beschwerden finden. Als nächste Möglichkeit zog Sandow dann eine pneumologische Ursache in Betracht. Nach einer Einschätzung der Erkrankung mittels COPD Assessment Test (CAT) und einer speziellen Anamnese für die maßgeschneiderte COPD-Therapie wurde der Patient auf die duale LAMA/LABA-Therpaie eingestellt, inklusive Schulung zum Device. „Kontrollieren Sie die Patienten nach zwei Wochen, um sicherzugehen, dass die Handhabung passt und der Patient auf die Therapie reagiert“, sagte Sandow.

Trotz der Therapieverordnung überwies Sandow den Patienten auch zum Pneumologen.

Schlechtere Lungenfunktion als erwartet

Dr. Thomas Schultz (Foto), Berlin, war zunächst überrascht über die Lungenfunktion des Patienten; die Messwerte waren schlechter als erwartet. Nach einem langen Gespräch verodnete der Pneumologe zusätzlich zur dualen Therapie Salbutamol bei Bedarf, Prednisolon für fünf Tage sowie Doxycyclin für sechs Tage zur Infektbehandlung. Nach zwei Wochen sollte eine Wiedervorstellung erfolgen. „Zur Einordnung des Schweregrads der Erkrankung sollte man eine Spirometrie zur Diagnosesicherung machen, die Atemwegsobstruktion sowie Symptomatik und Exazerbationsrisiko beurteilen“, sagte Schultz.

Anstatt einer statischen Betrachtung empfehle sich die Verlaufskontrolle nach GOLD. „Bewerten Sie die Inhalationstechnik, Adhärenz und die nicht pharmakologischen Maßnahmen. Überfordern Sie den Patienten nicht, stellen Sie ihn im Laufe des Behandlungszyklus optimal ein“, sagte Schultz. Nach acht Wochen beobachtete Sandow eine Verbesserung der Atemnot, aber intermittierendes Herzrasen.

Die Inhalative wurden abgesetzt, woraufhin sich die Tachykardien besserten, die Luftnot aber wieder zunahm. Obwohl ein EKG erneut unauffällig war, schickte Sandow den Patienten zurück zur Kardiologin.

Diagnose VHF

Bei einem weiteren EKG wurde von Zemmrich ein VHF erfasst; der Patient erhielt orale Antikoagulation, Betablocker und die Dyspnoe besserte sich schnell. Der Patient entwickelte in der Folge jedoch mehr Husten und starken schleimig-gelben Auswurf. Schultz verordnete wieder die Basistherapie LAMA/LABA, empfiehlt ICS nicht als Monotherapie. In der Folge zeigte der Patient eine dramatische Besserung der Lungenfunktion. Es sei schwierig, genau festzustellen, worum es sich handelt.

Wichtig sei, Asthma und COPD auseinanderzuhalten und entsprechend zu therapieren. Einig waren sich die drei Podiumsteilnehmer: Für die optimale Patientenversorgung ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen allen behandelnden Ärzten essenziell.