Unklar, was wann von wem getan wird

Unklar, was wann von wem getan wird

Dr. Müther über die Transition chronisch kranker Jugendlicher und das Berliner TransitionsProgramm.Die Transition chronisch kranker Jugendlicher in die Erwachsenenmedizin ist ein weltweit diskutiertes Problem, das trotz vielfältiger Forschungsaktivitäten und Initiativen auch in Deutschland erst unzureichend gelöst ist. 

Etwa 30 bis 40% der Jugendlichen fallen während der Transition aus der notwendigen Spezialbetreuung heraus und stellen sich in den fachlich qualifizierten Einrichtungen der Erwachsenenmedizin erst dann wieder vor, wenn – möglicherweise vermeidbare – Komplikationen aufgetreten sind. Dies hat nicht nur für die Patienten, sondern auch für das Versorgungssystem erhebliche Konsequenzen (Krankenhausaufenthalte, Folgeschädigungen, Ausfälle durch Berufsunfähigkeit, Behinderung). Bei geschätzten 1,3 Millionen chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland handelt es sich also auch quantitativ um ein erhebliches Problem.

Folgende strukturellen Faktoren sind dafür verantwortlich:

•Es gibt keinen verbindlichen zeitlichen Ablauf der Transition und eine Verteilung der Aufgaben, d.h. es ist unklar, was wann von wem zu tun ist.
•Transitionsspezifische Leistungen (z. B. Transitionsepikrise, Transitionsgespräche, gemeinsame Sprechstunden) werden nicht vergütet.
•Es fehlt ein schnittstellenübergreifendes professionelles Fallmanagement.

Das Berliner TransitionsProgramm (BTP) soll diese Lücken schließen und nach einer Erprobungsphase dauerhaft in der Versorgungslandschaft implementiert werden. Im BTP finden vor und nach dem Transfer Transitionsgespräche statt, in denen Entwicklungsstand und Unterstützungsbedarf eingeschätzt und ggf. Hilfeleistungen organisiert werden. Ergänzend zu einer strukturierten Transitionsepikrise sind optional gemeinsame Sprechstunden und/oder Fallkonferenzen vorgesehen. Der Transitionsprozess (ca. zwei Jahre) wird durch ein Fallmanagement gesteuert, das Ansprechpartner für alle Beteiligten ist, die Suche nach Weiterbetreuungseinrichtungen unterstützt, den Transitionsprozess und ggf. Unterstützungsmaßnahmen koordiniert und Informa¬tionsfluss und Termineinhaltung sicherstellt.

In der Ende 2011 abgeschlossenen Modellphase (Konzeption, Implementierung für Diabetes und Epilepsie in Berlin/Brandenburg, Evaluation und Weiterentwicklung als übertragbares Programm) wurden nach Vertrag mit 29 Leistungserbringern und 11 Kostenträgern 64 Patienten betreut. Aufgrund positiver Resultate wird das BTP ab dem 1. Januar 2013 für weitere Indikationen (zusätzlich terminale Nieren¬insuffizienz, juvenile rheumatische Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und neuromuskuläre Erkrankungen) in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin/Brandenburg angeboten. Das BTP wird von der Robert Bosch Stiftung unterstützt.