Trautwein: Prävention und Regression der Leberfibrose

Trautwein: Prävention und Regression der Leberfibrose
Prof. Christian Trautwein Foto: Pixa

Wiesbaden – Prof. Dr. Christian Trautwein stellte am Kongressmontag aktuelle und zukünftige Methoden der Fibroseprävention und -regression vor.

Mit einer guten Nachricht eröffnete Trautwein seinen Vortrag: „Wir verstehen die Progression klinischer Lebererkrankungen immer besser.“ Die Morbidität und Mortalität chronischer Hepatopathien ist vom Ausmaß der vorhandenen Fibrose oder Zirrhose abhängig, so Trautwein. Die Mechanismen, die zu einer fortgeschrittenen Fibrose führen, seien jedoch variabel und abhängig von der Grunderkrankung. Entsprechend wichtig sei heutzutage zunächst die möglichst rasche und kausale Therapie der zugrunde liegenden Lebererkrankung. Zur Prävention und Regression der Fibrose gehöre somit immer die frühzeitige Abklärung unklarer Leberwerterhöhungen.

Entscheidende Fortschritte in der Fibroseregression habe die antivirale Therapie der chronischen Virushepatitis B und C gebracht. „Es konnte gezeigt werden, dass eine Langzeittherapie einer HBV-Hepatitis mit Nukleosidanaloga eine Leberzirrhose umkehren kann“, hielt Trautwein fest. Auch das Erreichen einer sustained virological response durch eine antivirale Hepatitis-C-Therapie führe zu einer Regression einer vorhandenen Leberzirrhose. Ebenfalls könne bei Vorliegen einer autoimmunen Hepatitis, eine Erkrankung mit rascher Progression der Fibrose und hohem Zirrhoserisiko, durch eine adäquate Immunsuppression eine rasche Reversion des Leberschadens erreicht werden.

Keine antifibrotischen Ansätze

Schwieriger sei die Progressionshemmung bei den cholestatischen Lebererkrankungen. Während für die primär biliäre Zirrhose (PBC) mit UDCA für einen signifikanten Prozentsatz der Patienten eine suffiziente Therapie vorhanden sei, lägen für die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) keine effektiven antifibrotischen Behandlungsansätze vor. Mit dem Farnesoid-X-Rezeptor-Agonist Obeticholsäure (OCA) sei eine neue Substanz in der klinischen Prüfung, die nicht nur für PBC-Patienten evaluiert werde, sondern auch in NASH-Patienten einen signifikanten progressionshemmenden, antifibrotischen Effekt zu haben scheine. Auch das Darm-Mikrobiom scheint eine Rolle in der Progression der fortgeschrittenen Lebererkrankung zu haben. – „Therapeutische Ansätze fehlen hier allerdings bisher“, sagte Trautwein.

Koffein: Protektiver Effekt

Abschließend ging Trautwein auf die Frage ein: „Für welche nicht erkrankungspezifischen Substanzen konnten denn bisher antifibrotische Effekte nachgewiesen werden?“ Koffein scheine nicht nur im Tiermodell einen protektiven Effekt auf die Entstehung der Leberfibrose zu haben, sondern auch bei NASH-Patienten eine Rolle zu spielen. Auch für Statine seien fibrosehemmende Effekte nachgewiesen. Prospektive (Langzeit-)Daten zu effektiven Fibrosevermeidung fehlten jedoch.

Aktuell konnte im Mausmodell eine reversible, Janus-Kinase-2(JAK2)-vermittelte Fibroseentstehung nachgewiesen werden; dies könnte unter Umständen einen möglichen spezifischen antifibrotischen Therapieansatz in Zukunft darstellen. (mr)