Prädiktion und Intervention

Therapietreue in der oralen Krebstherapie

Therapietreue in der oralen Krebstherapie
PD Dr. phil. Michael Kusch Foto: privat

Mit der oralen Krebstherapie wird eine hoch wirksame Behandlung bei gleichzeitig reduzierten Nebenwirkungen und einer verbesserten Lebensqualität verbunden. Bislang sind zu wenige klinische Studien zur Adhärenzförderung in der oralen Krebstherapie durchgeführt worden, um ihre Effekte bestimmen zu können.

In der adjuvanten endokrinen Therapie wird eine Adhärenz von mehr als 80 Prozent und eine Persistenz von fünf Jahren, in der Behandlung mit Tyrosine Kinase Inhibitoren eine Adhärenz von über 90 Prozent bei einer Dauer von drei Jahren empfohlen. Liegt die Therapietreue unter den Werten, steigen das Mortalitätsrisiko sowie die Behandlungskosten.

Die mittlere Adhärenz in der Therapie mit Tamoxifen beziehungsweise Aromataseinhibitoren liegt bei 41 Prozent bis 88 Prozent beziehungsweise 52 Prozent und 91 Prozent. 47 Prozent der Patientinnen in Tamoxifentherapie und 31 Prozent in Therapie mit Aromataseinhibitoren unterbrechen ihre Behandlung und nur 50 Prozent führen sie über den vollen Zeitraum von fünf Jahren durch.

Studien zur Adhärenz mit Tyrosine Kinase Inhibitoren untersuchen zumeist die Adhärenz bei Imatinib. Je nach Studie sind 53 Prozent bis 98 Prozent der Patienten adhärent, bei einer kontinuierlich rückläufigen Adhärenz im Beobachtungszeitraum.

Etwa 25 Studien betrachten die Prädiktoren der Therapietreue in der laufenden oralen Krebstherapie. Erste Übersichtsarbeiten zeigen, dass nur wenige der vorgefundenen Faktoren (vgl. Abb. 1) die Therapietreue verlässlich vorhersagen; etwa die psychische Belastung, die soziale Unterstützung, die Gesundheitskompetenz, das Alter, die Anzahl unterschiedlicher Medikamente oder das Ausmaß der Nebenwirkungen. Die Vorhersage der Therapietreue vor Behandlungsbeginn stellt dabei eine erhebliche Herausforderung dar.

Bislang sind zu wenige klinische Studien zur Adhärenzförderung in der oralen Krebstherapie durchgeführt worden, um ihre Effekte bestimmen zu können. In der Praxis werden Maßnahmen der Kommunikation und der Edukation, der sozialen Unterstützung sowie der Optimierung des Medikationsregimes empfohlen.