Therapie multimorbider Patienten

Therapie multimorbider Patienten
Therapien werden komplexer
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Zwei Drittel aller über 65-Jährigen sind von mindestens zwei Erkrankungen betroffen. Die Zahl der Patienten, die an mehreren chronischen Krankheiten gleichzeitig leiden, steigt - und auch die Fehlerquote in der medikamentösen Behandlung.

In einem Positionspapier benennt die neue Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapie-Management und Arzneimitteltherapiesicherheit der DGIM ihre Ziele bei der Behandlung multimorbider Patienten. Darin heißt es, dass vorhandene, den Leitlinien zugrunde liegende klinische Studien, häufig nicht oder nicht in ausreichendem Umfang Patienten mit Multimorbidität und fortgeschrittenem Lebensalter einschließen. Es fehle für viele häufig auftretende Komorbiditäten die Evidenz für die Abstimmung.

"Hier ist neben der Kenntnis evidenzbasierter Medizin ärztliche klinische Erfahrung erforderlich, um in Kenntnis der Ziele und Präferenzen des Patienten eine therapeutische Entscheidung bei häufig nur schwierig und nicht gefahrlos kombinierbaren Therapiekonzepten zu treffen. Dies kann im Einzelfall das Weglassen eines für die einzelne Erkrankung nach Leitlinie indizierten Arzneimittels bedeuten, aber auch die gemeinsame Verordnung von Arzneimitteln, deren Kombination mit
einem erhöhten Risiko unerwünschter Wechselwirkungen verbunden ist",  heißt es in dem Positionspapier.

Komplexe Therapie multimorbider Patienten

Die medikamentöse Therapie multimorbider Patienten ist komplex und abstimmungsaufwändig: In einer internationalen Studie gaben die Hälfte dieser multimorbiden Patienten an, Fehler in der Koordination der ärztlichen Behandlung erlebt zu haben. Multimorbide Patienten suchen insgesamt jährlich rund 36 Mal fünf oder mehr verschiedene Ärzte auf.

„Wenn dabei jede Erkrankung losgelöst von anderen bestehenden Leiden behandelt wird, führt dies häufig zu einer nicht mehr sinnvollen, hohen Anzahl verordneter Arzneimitteln für den Patienten“, sagt Professor Dr. med. Daniel Grandt, Leiter der Arbeitsgruppe der DGIM. Weniger sei dann mehr. Nicht nur, weil es Kosten senkt, sondern weil es den Patienten vor gefährlichen Wechsel- und Nebenwirkungen schützt. „An dieser Stelle sehen wir uns besonders in der Verantwortung, Patienten und Hausärzte bei der Auswahl von Arzneimitteln zu unterstützen“, sagt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, Klinikum Saarbrücken gGmbH.

Medikamente: Weniger ist nicht immer besser

Denn Internisten veranlassen fachgemäß den größten Teil der Medikamente. „Eine verantwortungsvolle Verordnung von Arzneimitteln bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass weniger immer besser ist“, betont Professor Grandt. Vor den Risiken der “Polypharmazie“ zu warnen, ohne die Verordnungsgründe im Einzelfall zu kennen, verunsichert Patienten. Es kann sogar dazu führen, dass Erkrankte selbstständig die Therapie unterbrechen und sich dadurch schaden.

Um mögliche Folgen  nicht abgestimmter, komplexer Arzneimittel-Verordnung vorzubeugen, entwickelt  die Fachgesellschaft daher mit ihrer Arbeitsgruppe Konzepte für die Abstimmung und Priorisierung der Arzneimitteltherapie bei Mehrfacherkrankung und definiert Voraussetzungen für eine sichere Arzneimitteltherapie. Auch setzt die DGIM auf geregelte Kommunikation zwischen den behandelnden Ärzten. „Angesichts der weiten Verbreitung internistischer Erkrankungen – hierzu zählen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs –  bietet die DGIM den Haus- und Fachärzten an, sie bei der Koordination der Arzneimitteltherapie zu unterstützen“, sagt Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM zu.

Das Positionspapier lesen Sie hier in kompletter Länge.