Terkamp: Hypothyreose im höheren Alter

Terkamp: Hypothyreose im höheren Alter
Dr. Christoph Terkamp Foto: Reinhart

Wiesbaden – Am Sonntag berichtete Dr. Christoph Terkamp über neue Erkenntnisse zur manifesten und subklinischen Hypothyreose im höheren Alter.

Schilddrüsenerkrankungen sind die häufigsten endokrinologischen Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung; ihre Prävalenz steigt mit zunehmendem Lebensalter noch einmal an. Die klinische Diagnose einer Hypothyreose im Alter gestaltet sich laut Terkamp schwieriger als im jüngeren Lebensalter, da einige Symptome der Hypothyreose übersehen würden. „Müdigkeit, Schwäche, Obstipation, Kälteintoleranz und Haarausfall werden häufig dem Alterungsprozess per se zugeschrieben“, sagte Terkamp.

Die manifeste Hypothyreose

Eine manifeste Hypothyreose lasse sich im Alter von über 65 Jahren bei 0,6 bis 6 Prozent aller Patienten diagnostizieren und sei meist durch eine autoimmune Thyreoiditis bedingt. Die manifeste Hypothyreose sei auch im Alter mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert und sollte durch L-Thyroxin-Substitution behandelt werden.

Bei jüngeren, kardiovaskulär gesunden Patienten empfahl Terkamp, mit einer L-Thyroxin-Dosis von 1,6 µg/kg Körpergewicht zu beginnen. Bei älteren Patienten dagegen sei ein sofortiger Beginn mit der vollen Substitutionsdosis mit kardialen Ischämien und Arrhythmien, besonders bei vorbekannten kardiovaskulären Erkrankungen, assoziiert. Daher sollte die Therapie bei kardiovaskulär gesunden älteren Patienten mit 50 µg und bei kardiovaskulär vorerkrankten Patienten mit 12,5–25 µg L-Thyroxin/Tag begonnen und alle vier bis sechs Wochen in Abhängigkeit von Klinik und Labor angepasst und die Dosis gegebenenfalls gesteigert werden. „Wenn wir substituieren, dann sollten wir es auch richtig machen“, sagte Terkamp.

Die subklinische Hypothyreose

Eine subklinische Hypothyreose lasse sich bei älteren Patienten mit einer Prävalenz von circa 15 Prozent noch deutlich häufiger als eine manifeste Hypothyreose diagnostizieren und L-Thyroxin sollte ab einem TSH von größer 10 µU/ml aufgrund der erhöhten kardiovaskulären Mortalität auch bei älteren Patienten substituiert werden. In der US-amerikanischen Cardiovascular Health Study konnte kürzlich an 459 Patienten mit einem Alter von mindestens 65 Jahren mit basal nicht L-Thyroxin-substituierter subklinischer Hypothyreose gezeigt werden, dass 46 Prozent der Patienten mit einem initialen TSH von 4,5–6,9 µU/ml und 10 Prozent der Patienten mit einem initialen TSH von 7–9,9 µU/ml über zwei Jahre in eine Euthyreose remittierten. „Dabei war die Remissionsrate für TPO-Autoantikörper-negative Patienten mit 48 Prozent signifikant höher als die 15-prozentige Remissionsrate für TPO-positive Patienten“, sagte Terkamp.

Darüber hinaus konnte der bei jüngeren Erwachsenen relativ gut etablierte negative Effekt einer subklinischen Hypothyreose auf die kardiovaskulären Ereignisse und die kardiovaskuläre Mortalität bei älteren Menschen bisher weder in Metaanalysen noch in einzelnen Studien, wie zum Beispiel der bereits oben erwähnten Cardiovascular ‧Health Study, nachgewiesen werden. Daher sollte die Behandlung einer subklinischen Hypothyreose bei älteren Patienten mit einem TSH von 4–10 µU/ml nur nach Kontrolle des TSH-Spiegels nach drei bis sechs Monaten zum Ausschluss einer nur transienten Erhöhung und nur unter Berücksichtigung des individuellen Patienten mit seinen etwaigen Hypothyreose-typischen Symptomen sowie seiner möglichen Schilddrüsenpathologie erfolgen.

Aufgrund des im Alter auch physiologisch etwas ansteigenden TSH-Spiegels sollten bei der Substitution zudem höhere TSH-Zielspiegel gewählt werden als bei jüngeren Patienten. (mr)