Teilweise dramatische Folgen

Teilweise dramatische Folgen

Prof. Cascorbi über Arzneimittelfälschungen aus medizinischer Sicht. Arzneimittelfälschungen stellen ein großes wirtschaftliches, aber auch medizinisches Problem für die globale Gesundheit dar. Prof. Dr. Ingolf Cascorbi beleuchtet die Thematik.

Es wird geschätzt, dass ca. 10 % der weltweiten Produktion gefälscht wird, dies betrifft in besonderem Maße wirtschaftlich schwache Länder. Das Spektrum der Inhaltsstoffe gefälschter Arzneimittel reicht von vermindertem bis völlig fehlendem Anteil des Wirkstoffs, Beimengungen anderer Wirkstoffe, Belastungen mit toxischen Substanzen bis hin zu bakteriellen Verunreinigungen.

Entsprechend sind die medizinischen Konsequenzen abhängig von der Indikation, dem Applikationsweg, der Dauer der Anwendung und der Dosierung, betont Cascorbi, Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Besonders dramatisch kann das Ausbleiben der Wirkung vorgeblicher Zytostatika für maligne Erkrankungen sein; die Heilungs- und Überlebenschancen können durch das ungehemmte Fortschreiten der Erkrankung drastisch vermindert werden.

Auch bei der Prophylaxe von endemisch auftretenden Infektionskrankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder HIV ist der ausbleibende medikamentöse Schutz mit einer potenziell großen Zahl von Opfern verbunden, andere Beispiele zeigen schwere Verläufe der Infektionen durch gefälschte und wirkungslose Stand-by-Medikamente.

So wird angenommen, dass 53 % der in Südost-Asien verkauften Antimalaria-Medikamente inkorrekte Mengen der aktiven Wirkstoffe enthielten, in Nigeria sogar 85 %. Schätzungen nach verdoppelte dies die Zahl der Malariamortalität innerhalb der vergangenen 20 Jahre, davon waren besonders Kinder betroffen.

In Europa stellen Arzneimittelfälschungen vor allem bei über Internetapotheken bezogenen vermeintlichen Lifestyledrugs ein Problem dar, hier wurde über Schwermetallintoxikationen berichtet. Andere Fallberichte zeigen aber auch bakterielle Verunreinigungen von gefälschten Produkten, die bei i. v. oder intraokularen Injektionen schwere und teils schwer zu behandelnde Konsequenzen nach sich zogen.
Die teils dramatischen medizinischen Folgen von Arzneimittelfälschungen stellen somit auch ein gesundheitsökonomisches Problem dar, das eines globalen Engagements bei der Aufklärung und Gegensteuerung bedarf.