Tabakentwöhnung essenziell bei der Prävention

Tabakentwöhnung essenziell bei der Prävention
(c) Raupach

Entwöhnung und Beratung rauchender Patienten: Die gezielte Entwöhnung und richtige Beratung rauchender Patienten muss als wichtige präventive Maßnahme ernst genommen werden, erklärt Dr. Tobias Raupach.

In Deutschland sterben jährlich mehr als 100.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Die Kosten für die Behandlung rauchbedingter Erkrankungen belaufen sich auf etwa 21 Milliarden Euro pro Jahr. Dem stehen Einnahmen aus der Tabaksteuer von lediglich 14 Milliarden gegenüber.

Raucher sterben früher

Andererseits gibt es nur wenige Therapien, die sich so uneingeschränkt positiv auf die Lebensqualität und die Mortalität auswirken wie die Tabakentwöhnung: Menschen, die ein Leben lang geraucht haben, sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Menschen, die nie geraucht haben. Raucher können dieser Verkürzung ihrer Lebenszeit allerdings jederzeit entgegenwirken, indem sie ihren Tabakkonsum einstellen.

Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, warum Menschen überhaupt rauchen. Zwar ist die Antwort auf diese Frage trivial, aber trotz ihrer unstrittigen wissenschaftlichen Fundierung scheint sie noch nicht allen Akteuren im Gesundheitssystem bewusst zu sein: Rauchen ist eine Abhängigkeitserkrankung. Dies ist auch der Grund dafür, dass rund 70 Prozent aller Raucher ihren Tabakkonsum gerne beenden würden, es aber allein nicht schaffen. Zu den Faktoren, die eine erfolgreiche Entwöhnung verhindern, zählen die nach wie vor zu niedrigen Tabakpreise, die ubiquitäre Außenwerbung für Tabakprodukte, das Fehlen umfassender öffentlicher Rauchverbote – und nicht zuletzt auch das Verhalten von Personen, die in einer ärztlichen oder pflegerischen Funktion für die Gesundheit rauchender Patienten verantwortlich sind.

Im klinischen Alltag werden die Leitlinien-Empfehlungen zur Beratung rauchender Patienten häufig nicht befolgt. Jeder rauchende Patient muss hinsichtlich der verfügbaren effektiven Methoden zur Entwöhnung informiert werden.

Daten unbekannt

Vielen Ärzten sind die aktuellen Daten zur Effektivität verschiedener Ansätze zur Tabakentwöhnung jedoch nicht bekannt. Entsprechend werden manchen Patienten ineffektive Maßnahmen wie etwa Akupunktur empfohlen. Ein wesentlicher Grund für die mangelhafte Kenntnis der Leitlinien-Empfehlungen ist die unzureichende Vermittlung dieser Kenntnisse im Medizinstudium (siehe Abbildung).

Eine Umfrage unter allen deutschen Studierenden der Humanmedizin ergab, dass sich selbst im letzten Studienjahr nur fünf Prozent der Studierenden daran erinnern konnten, jemals eine praktische Ausbildung zur Beratung rauchender Patienten erhalten zu haben.

Die Folgen der Tabakabhängigkeit sind nicht nur im gesellschaftlichen Kontext, sondern auch für jeden betroffenen Patienten individuell sehr ernst. Entsprechend muss auch die Tabakentwöhnung als wesentliche präventive Maßnahme ernst genommen werden – von Ärztinnen, Ärzten, medizinischem Assistenzpersonal und natürlich auch von der Politik.

PD Dr. Tobias Raupach ist Oberarzt am Herzzentrum Göttingen und leitet die dortige Tabakentwöhnungsambulanz. Raupach entwickelt zurzeit eine App zur Entwöhnung. Zudem führt er Studien zur Ausbildungsforschung durch.

Halle 1 Sa, 26.4., 17:36 Uhr