Syphilis und Tuberkulose tauchen wieder auf

Syphilis und Tuberkulose tauchen wieder auf

Prof. Manns präsentiert Rück- und Ausblick zum Thema Infektionsforschung mit dem Fokus auf Deutschland.Einen umfassenden Überblick über die Infektionsforschung in Deutschland gab Prof. Dr. Michael Peter Manns, Kongresspräsident des Jahres 2014, am Mittag des letzten Kongresstags.

Mit Robert Koch, dem Nobelpreisträger von 1905, beginnt die Ära der Infektionsforschung in Deutschland. Auf dem Gebiet der Spurensuche und Bekämpfung von Bakterien, Viren, Pilzen, Parasiten und Protozoen sei, so betonte Manns, zudem Baruch Blumberg zu nennen, der eher zufällig 1965 das Australia-Antigen sowie später als Hüllprotein des Hepatitis-B-Virus, das HBsAg, identifizierte. Er erhielt dafür 1976 den Nobelpreis für Medizin.

Häufigste Todesursache

Das Immunsystem des Menschen biete einen Schutz vor Krankheiten, und die Medizin nutze dies zum Einsatz von Impfstoffen und Medikamenten (Antikörper, Zytokine). Infektionskrankheiten bilden weltweit die häufigste Krankheits- und Todesursache. Dabei verursachen sechs Infektionen (Respiratorische, AIDS, Diarrhoe, Tuberkulose, Malaria und Masern) 90 Prozent der Todesfälle. Sie stellten vor allem in Entwicklungsländern ein verheerendes Gesundheitsproblem dar, während sie in der westlichen Welt eher ein Nischendasein (etwa auf Intensivstationen) führen. Festzustellen sei auch, dass sich immer rascher Resistenzen gegen Medikamente entwickelten und immer neue Erreger und Pandemien zu verzeichnen seien. Manns stellte die Ergebnisse der Alerts-Studie vor, in der der Nutzen eines krankenhausweiten Infektionspräventionsprogramms zur Reduktion nosokomialer Infektionen und der damit assoziierten Sepsisfälle aufgezeigt wird. Das Ergebnis zeigt, dass 20 bis 40 Prozent der Infektionen vermeidbar sind, mehr als 50 Prozent (durch Immunsuppression, Wunden etc.) leider nicht. Manns beschrieb in der Folge die Verbindung von Infektionen und Krebsentstehung. Er verwies unter anderem darauf, dass 30 bis 40 Prozent aller Tumorerkrankungen direkt oder indirekt infek¬tionsbedingt seien. Ein Beleg etwa sei der Nachweis der Abnahme des Leberkrebses (HCC) nach Einführung der HBV-Impfung in Taiwan.

Meilenstein HPV-Impfung

Die Entwicklung der HPV-Impfung als Mittel gegen die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, wesentlich vorangetrieben durch Prof. Dr. Harald zur Hausen, mit der Zulassung der Impfung im Jahr 2006 sei ebenfalls ein wesentlicher Meilenstein. Bedauerlich sei, so betonte Manns in Wiesbaden, dass Impfungen gegen Hepatitis C und Helicobacter pylori künftig nicht weiterentwickelt würden.

Antibiotika (gegen Bakterien), Virostatika (gegen Viren), Antimykotika (gegen Pilze) und Antihelminthika (gegen Würmer, Parasiten) seien historisch wahrhafte Durchbrüche in der Therapie von Infektionskrankheiten gewesen. Als gravierendste aktuelle Probleme im Bereich der Infektionsforschung nannte Manns u. a. die Hygieneprobleme speziell mit Blick auf das Trinkwasser, die Bekämpfung der Weltseuchen Malaria, HIV, TBC etc. sowie Medikamentenresistenzen und „Emerging Infec¬tions“. In der „entwickelten Welt“ dagegen stehe man vor den Problemen des immunsupprimierten Patienten, der Infektionsgefahren auf den Intensivstationen sowie der Ausbreitung von Infektionserkrankungen durch die Globalisierung.

Während vor 1979 noch acht neue Antibiotika entwickelt und in der Klinik eingesetzt wurden, waren es in den darauf folgenden zehn Jahren nur noch fünf. Zwischen 1990 und 1990 konnte kein neues Antibiotikum entwickelt werden, seit dem Jahr 2000 waren es mit Linezolid und Quinu/Dalfo immerhin noch zwei.

„Alte Erreger“ im Kommen

Migration und immunsuppressive Therapien seien Gründe für das Wiederauftauchen „alter“ Erreger wie der Tuberkulose oder der Syphilis. Zudem zählten die neuen Pan-/Epidemien wie SARS, H1N1, H7N9 und EHEC als neue Erreger zu den großen aktuellen Herausforderungen der Infektiologie, stellte Manns fest.