Weiterbetreuung chronisch kranker Jugendlicher

Problemphase Transition

Problemphase Transition
Prof. Dr. Britta Siegmund © Schunk

Bis zu zwei Jahre kann die „Überführung“ chronisch kranker Kinder und Jugendlicher in die Erwachsenenmedizin dauern. „Es ist ein sensibler Bereich“, weiß Prof. Dr. Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik I (Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie) am Campus Benjamin Franklin der Charité.

Die Transition fällt in der Regel in die Lebensphase der späten Adoleszenz, also in einen Zeitraum mit hoher Vulnerabilität. Die Folge sind Behandlungsabbrüche oder  -unterbrechungen mit Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf und sozioökonomische Konsequenzen. Um diese Folgen zu mindern, wurde 2012 die  Task Force Transition gegründet, die sich aus Mitgliedern der DGIM, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zusammensetzt. Ziel der Task Force ist es, eine national einheitliche und krankheitsübergreifende Transitionsstruktur in Deutschland zu etablieren.

„Wenn ein Kinderarzt merkt, dass der Zeitpunkt für eine Überführung gekommen ist, kann er unmittelbar Kontakt zu einem Experten des Transitionsprogramms aufnehmen“, schildert Siegmund anlässlich einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Berlin das Vorgehen. Am häufigsten geschieht dies im Alter von 16 oder 17 Jahren. Oft erlebe der Betroffene bei seinem Erstbesuch abschreckende Erfahrungen.

200 Jugendliche nehmen am Transitionsprogramm teil

Dies zu verhindern sei eines der Hauptziele des Programms. „Wir dürfen die Jugendlichen in dieser Phase nicht verlieren“, unterstreicht Siegmund die Intention. Für den Kontakt mit den Jugendlichen nutzen die Experten alle modernen Kommunikationswege – einschließlich Twitter oder auch App-Angebote. Rund 200 Jugendliche seien bislang ins Berliner Transitionsprogramm integriert worden: „Alle bleiben bislang dabei“, berichtet Siegmund.

Bereits 2009 wurde vom Sachverständigenrat die Betreuung chronisch kranker Jugendlicher in der Übergangsphase als mangelhaft bewertet und Empfehlungen zur Verbesserung ausgegeben. Dies wurde 2011 durch die Bundesärztekammer unterstützt, indem erneut auf die Mängel des Gesundheitssystems in Bezug auf chronisch kranke Jugendliche hingewiesen wurde. Vonseiten des Gesetzgebers wie auch der Kostenträger fehlt bislang die Anerkennung der besonderen Betreuungssituation.

Ausweitung auf norddeutschen Raum

Die angestrebte Rahmenstruktur wurde innerhalb des sogenannten Berliner TransitionsProgramms aufgebaut und zunächst nur für wenige Erkrankungen in Berlin und Brandenburg etabliert. Durch die Task Force konnte zunächst das Krankheitsspektrum von Diabetes und Epilepsie um die chronischen Nierenerkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, rheumatologische und onkologische Erkrankungen erweitert werden – auch auf Wunsch der beteiligten Kranklenkassen TK und AOK Nordort.

Nun ist eine regionale Ausweitung auf den norddeutschen Raum gelungen. Das Modell bietet fächerübergreifende Strukturen wie Transitionsheft, Epikrise, Fallmanagement, krankheitsspezifische Materialien und zeigt eine Vergütungsmöglichkeit auf, die allerdings noch unzureichend ist. Ziel ist, diese Strukturen langfristig zu verstetigen, um dem 2009 erkannten Defizit strukturell zu begegnen und das Thema Transition auch im Sozialgesetzbuch abzubilden.

Die Mitglieder der Task Force sind sich einig, dass nur durch ein einheitliches Konzept, das durch alle Fachgesellschaften getragen wird, diese strukturellen Defizite, aber auch die assoziierten finanziellen Probleme gelöst werden können.


Quellen

http://www.svr-gesundheit.de

http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.2.23.9278.9427.9545.9550

http://www.drk-kliniken-berlin.de/westend/krankenhaus-westend/berlinertransitionsprogramm/team-kontakt/