Was Gene über die "richtige" Kost sagen können

Personalisierte Ernährung

Personalisierte Ernährung
Prof. Hannelore Daniel warnt davor, die aktuellen Erkenntnisse in der Genforschung überzubewerten. DGIM

Können wir in den Genen lesen, welche Nahrung für welchen Menschen die individuell „richtige“ ist? Auf einer Pressekonferenz beim DGIM-Kongress 2018 gab Prof. Dr. Hannelore Daniel, München, eine aktuelle Einschätzung.

Wir sind noch weit davon entfernt, individuell die ‚richtige‘ Ernährung für alle anbieten zu können“, hielt Daniel zu Beginn fest. In der Genforschung sei diesbezüglich in letzter Zeit eine gewisse Ernüchterung eingetreten, die Daniel an den aktuellen Mikrobiom-Hype erinnert: Man könne letztlich nur retrospektiv beurteilen, welche Entwicklungen die Wissenschaft tatsächlich nach vorne gebracht haben.

Es gebe einen erheblichen Anteil an Zusammenhängen, die man momentan noch nicht verstehe. Schließlich seien die Menschen grundsätzlich gleich, aber im Detail dann doch sehr verschieden.

Eine bessere Phänotypisierung sei nötig, um die Wirkung der Ernährung tatsächlich einschätzen und beurteilen zu können. „Trotz dieser Erkenntnisse, die bereits vorliegen, ändert sich das Verhalten der Menschen aber nicht automatisch“, sagte Daniel. Es sei fraglich, ob beispielsweise sozial schwächere Schichten adäquaten Zugang zu den Informationen haben und diese dann auch umsetzen. Der erste Schritt sei es, gute Wissenschaft zu machen, um das Thema Ernährung noch besser zu verstehen.

Grundsätzlich gelte, dass man sich so abwechslungsreich wie möglich ernähren soll, dass aufgenommene Kalorien auch verbrannt werden sollten und der Fleischkonsum nach Möglichkeit reduziert werden müsse. „Die ‚richtige‘ Ernährung gibt es ohnehin nicht. Der ‚Endpunkt Gesundheit‘ ist nur in Gesellschaften ein Thema, die sonst keine Probleme haben – wie die Verfügbarkeit von ausreichend nahrhaftem Essen“, resümierte Daniel.