12. Patiententag in Wiesbaden

Notfälle im Alter und wie man ihnen vorbeugen kann

Notfälle im Alter und wie man ihnen vorbeugen kann
iStock: Eva Katalin Kondor

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen medizinischen Notfall: Im Schnitt sind 21 Prozent der in die Notaufnahme eingelieferten Patienten Senioren, die unter Herzproblemen leiden oder einen Sturz hinter sich haben. Gegen medizinische Notfälle kann man sich nur bedingt schützen, doch umfassende Aufklärung kann helfen, das Risiko für einen Notfall zu senken oder – im Falle eines Falles – schnell und richtig zu reagieren. Details dazu erläutern Experten bei der Pressekonferenz am 4. April 2018 anlässlich des Patiententags in Wiesbaden.

Alljährlich veranstaltet die DGIM einen Patiententag mit der Stadt Wiesbaden, der Themen vom Fachkongress in Mannheim aufgreift und patientengerecht vermittelt. In diesem Jahr schenken die Referenten der Altersmedizin besondere Aufmerksamkeit – und der Frage, wie man im Alter angemessen mit medizinischen Notfällen umgeht.

Herzinfarkt: Symptome richtig deuten

In Deutschland leiden zwei bis drei Millionen Menschen unter einem sogenannten Altersherz, das heißt, das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen. Man unterscheidet hierbei zwischen einer chronischen und einer akuten Herzinsuffizienz. Während die chronische Form über mehrere Jahre hinweg entsteht, entwickelt sich eine akute Herzschwäche binnen kurzer Zeit, zum Beispiel als Folge eines Herzinfarkts. Die häufigste Ursache für eine chronische Herzschwäche ist andauernder Bluthochdruck, worunter mehr als 63 Prozent der älteren Bevölkerung in Deutschland leiden. Um bei einem Altersherz Notfälle zu vermeiden, ist die richtige Medikation unabdingbar. Es ist es zwingend notwendig, regelmäßig vom Arzt prüfen zu lassen, ob Dosierung und Einnahme der verschriebenen Medikamente noch korrekt sind. Wichtig ist zudem, dass Patienten mit Herzschwäche Anzeichen für einen Herzinfarkt kennen und richtig deuten können. Dazu gehören Schmerzen, Engegefühl und Brennen in der Brust und Armen, unter Umständen aber auch Übelkeit und Erbrechen, ebenso wie unübliche Schweißbildung und ein fahler Hautton. „Die Anzeichen für einen Herzinfarkt können vielfältig sein, nicht immer tritt ein stechender Schmerz in der Brust auf – daher ist es entscheidend, sich mögliche weitere Symptome bewusst zu machen und bei diesen umgehend zu reagieren und den Notruf zu verständigen“, sagt PD Dr. med. Philipp Bahrmann, Chefarzt Medizinische Klinik II − Allgemeine Innere Medizin, Geriatrie und Frührehabilitation der Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Geriatrie, Notfall- und Intensivmedizin, der auf der Pressekonferenz der DGIM zum Thema referiert.

Stürze: Bewegung bringt Sicherheit

Laut aktuellen Studien stürzt jeder Dritte ab dem 65. Lebensjahr mindestens einmal im Jahr. Bei den über 80-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Ein Sturz stellt ein Warnsignal dar. Jeder Sturz ängstigt die Betroffenen zutiefst, da die Verletzungsgefahr sehr hoch ist. Mit zunehmender Angst steigt auch die Unsicherheit. Gerade in den eigenen vier Wänden besteht die Sorge der Patienten, dass nach einem Sturz nicht schnell genug Hilfe vor Ort ist. Hierfür gibt es spezielle Notrufsysteme, welche von den Patienten direkt am Körper getragen- und betätigt werden, falls ein Aufstehen nicht möglich sein sollte. Den Ernstfall vermeiden können auch Griffe und Geländer, die – angebracht beispielsweise an Treppen und im Badezimmer – Halt geben und schwere Stürze vermeiden können.

Neben solchen Vorkehrungen sind Stürzen durch frühzeitiges Training von Kraft und Balance entgegenzuwirken. Effektive Trainingsprogramme helfen, die Anzahl der Stürze um bis zu 20 Prozent zu senken. Denn Fakt ist: Inaktivität ist ein wesentlicher Einflussfaktor für die Entstehung chronischer Erkrankungen oder den Verlust von Funktion oder Mobilität im Alter. PD Dr. Ellen Freiberger, Gerontologin und Sportwissenschaftlerin am Institut für Biomedizin des Alterns in Nürnberg, spricht beim Patiententag über das Thema „Sturzprävention im Alter“ und thematisiert dabei Sturzrisiken – hier besonders auch die Angst vor Stürzen – zu effektiven Trainingsprogrammen und die Umsetzung in der Praxis.

Außerdem stellt Freiberger das kongressbegleitende PROACTIVO-Programm vor, welches zeigen soll, wie Bewegung auch im Alter mühelos in den Alltag integriert werden kann. Beim Patiententag haben Besucher im oberen Stockwerk des Rathauses Gelegenheit, ihre Gangparameter testen zu lassen und bekommen Tipps, um den Gang zu verbessern.