Cave beim Einsatz bei Patienten mit tumorassoziierter VTE

NOAKs – eine neue Option für das VTE-Management

NOAKs – eine neue Option für das VTE-Management
©Schunk

Die venöse Thromboembolie (VTE) ist eine der häufigen Komplikationen bei Tumorpatienten und nach der tumorbedingten Sterblichkeit die zweithäufigste Todesursache. Mit der Diagnostik und der Therapie befasste sich ein Industriesymposium von Bristol-Myers Squibb und Pfizer.

Prof. Dr. Rupert M. Bauersachs (Foto) eröffnete die Session mit seinem Vortrag zur Venösen Thromboembolie (VTE) in der Onkologie. Zunächst verwies er auf die Leitlinie zur Diagnose und Therapie der akuten tiefen VTE. Diese sieht den Einsatz von Vitamin-K-Antagonisten (VKA) sowie alternativ parenteral den Einsatz von Dabigatran und Edoxaban vor; ebenso sei auch Apixaban respektive Rivaroxaban empfohlen. Diese neuen Nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) weisen gegenüber den VKA durchaus Vorteile auf. Diese liegen zum einen in einer signifikanten Reduktion von Majorblutungen um rund 40 Prozent. Zum anderen weisen Metaanalysen signifikant verringerte intrakranielle und tödliche Blutungen nach.

Bei den VKA sollten Gerinnungstests obligat sein, zumal der INR-Korridor häufig nicht stabil erreicht wird. Weitere Nachteile der VKA sind durchweg lange Halbwertszeiten, was vor allem bei notwendigem „Bridging“ und „Switching“ von Nachteil ist, und eine hohe Interaktivität mit anderen Medikamenten.

Dreimonatige medikamentöse Antikoagulation

Bauersachs empfahl etwa nach Auftreten einer Unterschenkel-TVT eine dreimonatige medikamentöse Antikoagulation. Nach drei bis sechs Monaten sei ein Therapieende bei einem harten transienten RF wie etwa einer OP, einer Immobilisation, einer Hospitalisierung, einem Trauma oder einer Hormonwirkung empfohlen. Profitieren können von einer verlängerten Antikoagulation Patienten mit einem VTE-Rezidiv, oder einem schwachen, transienten RF wie etwa entsprechende Reisen. Hier rät Bauersachs allerdings zur Überweisung an einen Spezialisten und einer Antikoagulation mit möglichst niedrigem Blutungsrisiko.

Eine unbefristete Antikoagulation ist angeraten bei persistierenden RF wie etwa einem aktiven Tumor oder einer schweren Thrombophilie – solange keine Kontraindikationen bestehen.

Bauersachs stellte – mit Blick auf die Ergebnisse der ADAM-VTE- sowie der CARAVAGGIO-Studie – klar, dass NOAKs eine neue Option für das VTE-Management darstellten. Sie weisen gegenüber der bisherigen Standardtherapie bei Patienten ohne Krebserkrankung eine vergleichbare Wirksamkeit auf. Und: Es wurden die schweren Blutungskomplikationen vermindert. Allerdings seien beim Einsatz von NOAKs bei Patienten mit tumorassoziierter VTE die Behandlungsoptionen derzeit noch eingeschränkt – und stellten eine große Herausforderung dar.

„Alarmismus und Angst“

Prof. Dr. Sebastian Schellong, Dresden, attestierte als größte Gefahren für das Screening „Alarmismus und Angst“. Die Mortalität der TVT ohne eine Lungenembolie (LE) liege nachgewiesenermaßen bei 2-5 Prozent nach einem Jahr; die Mortalität der LE liege, so Schellong, bei 2-15 Prozent (nach einem Monat), und die Rezidivrate bei VTE liege nach zwei Jahren bei 1-20 Prozent.

Die Häufigkeit eines schweren Postthrombotischen Syndroms (PTS) liege nach zwei Jahren bei 10-120 Prozent, die Häufigkeit eines Ulcus cruris bei unter vier Prozent, eines CTEPH nach LE bei 1-4 Prozent und von Majorblutungen unter VKA bei 1–12 Prozent pro Jahr.

Schellong sieht die VTE in westlichen Industrieländern als häufige Erkrankung mit sehr breitem Risikofaktoren-Spektrum. Die diagnostischen Algorithmen für die VTE hätten eine sehr gute Evidenzbasierung, allerdings sei die Umsetzung im Versorgungsalltag wenig zufriedenstellend. Grund- und Begleiterkrankungen treiben überwiegen die Mortalität nach VTE. Und: Langzeitfolgen der VTE seien in Häufigkeit und Schwere sehr variabel und hingen von einer Vielzahl an Prädiktoren ab.