Neues Konzept für MEDICA Education Conference

Neues Konzept für MEDICA Education Conference
Prof. Dr. Hendrik Lehnert, Konferenzpräsident
der MEDICA Education Conference
Foto: Schunk

Der Auftrag an die DGIM hat ein klares Ziel:  Der parallel zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA stattfindende Kongress soll eine inhaltliche Aufwertung erhalten. Dass man diese Herausforderung ernst nimmt, daran ließ Prof. Dr. Hendrik Lehnert, Konferenzpräsident der MEDICA Education Conference, anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin keinen Zweifel.

„Wir bieten einen interdisziplinären Fortbildungskongress an, der an vier Tagen vier verschiedene Themenschwerpunkte setzt“, erläuterte Lehnert in Berlin. Die vier Thementage tragen folgende Schwerpunkte: Infektion und Entzündung, Telemedizin und Robotik, Gastrointestinale Onkologie und Interventionelle Medizin.

Bei nahezu allen Themen steht der medizintechnische Fortschritt ebenfalls im Fokus: „Insbesondere der Bereich Telemedizin und Robotik ist geprägt vom unmittelbaren informationstechnologischen Fortschritt. Die Verfahren sind schneller, zuverlässiger und teilweise sogar kostengünstiger geworden“, unterstrich Lehnert. Gleiches gelte für die interventionelle Medizin. Diese stehe quasi „bildhaft für einen konstruktiven und wissenschaftlichen Austausch mit der Industrie“.

Vorzüge des modernen Ultraschalls

Prof. Dr. Andreas Schuler skizzierte anschließend die Vorzüge des modernen Ultraschalls. „Es lassen sich klinische Probleme direkt und in einer Sitzung erkennen und die notwendigen Maßnahmen direkt mit dem Patienten besprechen.“ Schuler zielt dabei ab auf die stetig verfeinerten Kontrastmitteltechniken in Diagnostik und Therapiesteuerung. Es lassen sich heute etwa Tumoren in Organen und Geweben aufspüren und zusätzlich zweifelsfrei als gutartig oder bösartig charakterisieren: „Wir erreichen hier eine diagnostische Genauigkeit von 95 Prozent. Dies ist der Magnetresonanztherapie und der Computertomografie mindestens ebenbürtig, teilweise sogar überlegen“, sagte Schuler.

Das hier verwendete Kontrastmittel – kleinste Gasbläschen, in einer Hülle verpackt – besteht ausschließlich aus ohnehin im menschlichen Körper vorkommenden Substanzen, die im Gefäßsystem verbleiben und nicht in Stoffwechselvorgänge involviert sind. Die Gase werden nach wenigen Minuten abgeatmet. Die Kontrastmittelsonografie sei vor allem als Differenzierungsdiagnostik bei Nieren- und Schilddrüsenpatienten geeignet, für die CT- und MRT-Verfahren nicht geeignet seien, betonte Schuler. Auch in der Notfalldiagnostik habe sich das Verfahren als effizient – vor allem bei der raschen und schonenden Diagnostik von Organverletzungen – durchgesetzt.

Und Schuler verweist auf einen besonderen Aspekt des Verfahrens, der in der unmittelbaren diagnostischen Aussagekraft liege: „Das Verfahren beeinflusst die Arzt/Patientenkommunikation.“ Andres als bislang liege eben kein Zeitraum mehr zwischen Untersuchung und Diagnosevermittlung. Schuler: „Wer dieses Verfahren anwendet, muss Lust auf Patienten haben.“

Akuttherapie bei Schlaganfallpatienten

„Time ist brain“ lautet nach wie vor die Parole bei Schlaganfallpatienten. Wenn binnen vier Stunden nach Auftreten  der ersten Symptome eine Akuttherapie einschließlich einer Schnittbildgebung durchgeführt wird und eine Blutung ausgeschlossen ist, kann unmittelbar mit einer Thrombolyse-Therapie begonnen werden. Dr. Christoph Leithner von der Charité: „Die ECAA-III-Studie hat gezeigt, dass diese Therapie bei Gabe innerhalb von vier bis fünf Stunden nach Symptombeginn zu einer Reduktion der bleibenden neurologischen Ausfälle führt.“

Ein hilfreiches Projekt nennt Leithner das Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO), das bereits erfolgreich von der Berliner Feuerwehr im Rahmen eines Projekts in der Schlaganfallforschung eingesetzt wird. Das Fahrzeug ist mit einem CT ausgestattet, um einen Apoplex schnellstmöglich zu erkennen und zu behandeln.

Möglichkeiten der Gerontechnologie

Verschiedene technische Entwicklungen könnten in Zukunft verstärkt bei gesundheitlichen Problemen älterer Menschen zum Einsatz kommen. Dies sieht PD Dr. Daniel Kopf, Chefarzt einer Geriatrischen Klinik in Hamburg, als durchaus realistisches Szenario: Die so genannte Gerontechnologie komme bereits bei Rehabilitation und körperlichem Training, beim Telemonitoring und bei telemedizinischen Systemen sowie bei der Betreuung und Pflege älterer und demenzkranker Patienten zum Einsatz. „Gefahren sehe ich vor allem beim Ersatz persönlicher Zuwendung durch technische Verfahren sowie bei der Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten in Netzwerken, also dem Missbrauch von Informationen“, warnt der Geriater nachdrücklich.

Dennoch habe die sensor- und videogestützte Analyse von Bewegungsabläufen zur Unterstützung der Diagnostik komplexer Funktionsstörungen oder die Kombination von Training an Geräten mit Benutzerführung im Sinne einer virtuellen Realität eine Perspektive in der Rehabilitation. Ebenso sei der Einsatz des Biofeedbacks oder die Anwendung virtueller Realitäten für ein gezieltes Üben bei Wahrnehmungsstörungen nach Schlaganfällen ein sinnvolles Einsatzgebiet moderner Verfahren.

Kolorektales Karzinom: Fortschritte in der Therapie

Abschließend stellte Prof. Dr. Tobias Keck, Klinikdirektor für Chirurgie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Holstein, die Fortschritte der chirurgischen Therapie des kolorektalen Karzinoms vor. Vor allem die Minimalisierung der Zugangswege aus chirurgisch-technischer Sicht durch neue laparoskopische Verfahren und robotergestützte Chirurgie sowie die zunehmende Interdisziplinarität bis unmittelbar vor dem Eingriff – etwa durch die neoadjuvante Radiochemotherapie – oder gar bis in den OP hinein – durch hypertherme Chemotherapie – hätten hier erhebliche Outcome-Verbesserungen bewirkt.

Dies gelte auch für Metastasierungen etwa des Peritoneums oder der Leber, bei denen ebenfalls erfolgreich intraoperative hypertherme Chemotherapien resp. minimalinvasive OP-Techniken angewendet werden.

MEDICA Education Conference

Die MEDICA Education Conference findet vom 12. bis zum 15. November 2014 in Düsseldorf statt. Unterstützt wurde Lehnert bei der Programmzusammenstellung durch ein Komitee mit namhaften Experten aus allen wesentlichen medizinischen Fachdisziplinen.