Besondere Vorsorge für Hochrisikopatienten

Neues Impfschema

Neues Impfschema

Für den Schutz von Hochrisikopatienten empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) erstmalig eine sequenzielle Pneumokokken-Impfung mit dem 13-valenten Konjugatimpfstoff (Prevenar 13®) gefolgt von dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff PPSV23.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 400 000 bis 680 000 Menschen an einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP).1 Häufigster Erreger sind Pneumokokken.2 Besonders gefährdet, an Pneumokokken-Infektionen zu erkranken, sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Was ist die genaue Definition eines Hochrisikopatienten?

Hochrisikopatient ist, wer an einem angeborenen oder erworbenen Immundefekt bzw. Immunsuppression leidet oder anatomische und Fremdkörper-assoziierte Risiken für eine Pneumokokken-Meningitis aufweist.3

Um den bestmöglichen Schutz für Hochrisikopatienten zu erreichen, rät die STIKO, bei der Pneumokokken- Impfung die möglicherweise bessere Effektivität des Konjugatimpfstoffs mit der breiteren Serotypenabdeckung des Polysaccharidimpfstoffs zu kombinieren.3 Aufgabe des behandelnden Arztes ist es also, Hochrisikopatienten zu identifizieren und sie über die für sie notwendigen Impfungen aufzuklären.

„Damit Hochrisikopatienten nicht durch das Raster fallen, ist eine enge Abstimmung zwischen Hausarzt und behandelndem Facharzt notwendig“, sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek. „Welche Ärzte besucht der Patient? Welche Behandlung erhält er beim jeweiligen Arzt? Steht der Impfung etwas entgegen? Wer impft? Das alles sind Fragen, die geklärt werden müssen. Im Hinblick auf den bestmöglichen Schutz ist es daher sinnvoll, Patientenbriefe auszutauschen und bei Bedarf Impf-Empfehlungen hineinzuschreiben.“

Aufschlüsselung der Patientengruppen

Im Epidemiologischen Bulletin 34/2016 finden Ärzte eine Aufschlüsselung der verschiedenen Patientengruppen. Zu den Hochrisikopatienten, die im Rahmen des sequenziellen Schemas gegen Pneumokokken immunisiert werden sollen, zählen beispielsweise Patienten mit T-Zell-Defizienz bzw. gestörter T-Zell-Funktion, B-Zell- oder Antikörperdefizienz, Komplement- oder Properdindefizienz, funktionellem Hyposplenismus, Splenektomie oder anatomischer Asplenie, neoplastischen Krankheiten, HIV-Infektion, nach Knochenmarktransplantation immunsuppressiver Therapie sowie Immundefizienz bei chronischem Nierenversagen, nephrotischem Syndrom oder chronischer Leberinsuffizienz. Auch wer anatomische oder Fremdkörper-assoziierte Risiken für eine Pneumokokken- Meningitis aufweist – beispielsweise auf Grund einer Liquorfistel oder eines Cochlea-Implantats – soll die sequenzielle Pneumokokken-Impfung erhalten.3

Quellen

1Schnoor M et al., The CAPNETZ study group – Approaches to estimate the population- based incidence of community acquired pneumonia- J Infect 2007; 55: 233–9.

2Welte T et al., Clinical and economic burden of community-acquired pneumonia among adults in Europe. Thorax 2012; 67:71–79.

3Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 34/2016.

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