Neue Ansätze in der Immuntherapie

Neue Ansätze in der Immuntherapie

Heilung von HIV-1 Infektion unter sehr seltenen und besonderen Umständen möglich: Prof. Dr. Marcus Altfeld stellt am Sonntag neue Ansätze vor, die den HI-Virus auf lange Sicht eventuell eliminieren könnten.

Die HIV-1 Infektion ist eine chronisch-verlaufende, virale Infektion. Laut UNAIDS sind weltweit derzeit circa 35 Millionen Menschen mit HIV-1 infiziert, mit 2,3 Millionen Neuinfektionen in 2012. Ungefähr 1,6 Millionen Menschen mit HIV-1 verstarben in 2012, zumeist im südlichen Afrika, wo in einigen Regionen mehr als ein Drittel der Bevölkerung infiziert ist.

Rückläufige Mortalität

Insgesamt ist die Morbidität und Mortalität von HIV - 1 in den letzten Jahren dank des erweiterten Zugangs zu antiretroviraler Therapie zurückgegangen. In Deutschland lebten Ende 2012 nach Schätzungen des Robert Koch Instituts 78 000 Menschen mit einer HIV-1 Infektion. In der überwiegenden Mehrzahl der infizierten Patienten manifestiert sich die chronische HIV-1 Erkrankung durch einen kontinuierlichen Verlust von CD4+ T-Zellen, der schließlich zu einer Immundefizienz führt. Durch eine antiretrovirale Therapie kann dieser Prozess gestoppt werden.

Ein kleiner Anteil von Patienten, der weniger als ein Prozent der HIV-1-infizierten Menschen darstellt, kann jedoch die HIV-1 Replikation auch ohne Medikamente erfolgreich kontrollieren. Diese sogenannten „elite controllers“ haben Viruslasten im Plasma, die unterhalb der Nachweisgrenze für die meisten konventionellen Tests liegen, und behalten stabile CD4+ T-Zellzahlen. Die Identifikation der Faktoren, welche zu dieser „Elite-Kontrolle“ der HIV-1 Infektion führen, hat gezeigt, dass sowohl genetische Marker als auch die Qualität der virus-spezifischen Immunantwort dazu beitragen können.

Kontrolle der HIV-Infektion

Genetische Studien in großen Kohorten von „elite controllers“ haben bestimmte HLA Klasse I Allele identifiziert, welche signifikant mit einer Kontrolle der HIV-1 Infektion assoziiert sind (1). Neben CD8+ T-Zellen können auch NK-Zellen über aktivierende und inhibitorische Rezeptoren virale Epitope erkennen, die durch HLA Klasse I Moleküle präsentiert werden, und HIV-1-infizierte Zellen abtöten (2). Diese beiden Arme des zellulären Immunsystems bieten sich daher als Ziele für immunotherapeutische Ansätze an. Zudem können auch antivirale Antikörper in SHIV-infizierten Affen die Viruslast dramatisch reduzieren (3), und diese Ansätze werden nun in Studien in HIV-1-infizierten Menschen getestet.

Immunantwort gegen HIV-1

Eine Induktion von HIV-1-spezifischen CD4+ T-Zellen durch therapeutische Impfungen kann zudem sowohl die zelluläre als auch humorale Immunantwort gegen HIV-1 stärken (4), so dass derzeit Studien kombinierte Ansätze von immunotherapeutischen Interventionen in infizierten Patienten untersuchen. Besonderes Interesse haben zudem neue kurativer Therapieansätze der HIV-1 Infektion erzeugt. In zwei Fällen, dem sogenannten „Berlin Patient“ und dem „Mississippi Kind“, konnte das HI-Virus nach Knochenmarkstransplantation beziehungsweise sehr frühem Therapiebeginn nach Geburt wahrscheinlich eliminiert werden (5, 6). Diese Einzelfälle haben gezeigt, dass eine Heilung der HIV-1 Infektion unter sehr seltenen und besonderen Umständen möglich sein kann. Dies hat experimentellen Studien neuen Aufwind gegeben, welche nicht nur eine Kontrolle der chronisch persistierenden HIV-1 Infektion, sondern eventuell sogar eine langfristige Elimination des Virus und „Heilung“ der Infektion anstreben.

Prof. Dr. Marcus Altfeld ist Professor und Leiter der Abteilung Virus Immunologie am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz Institute für Experimentelle Virologie in Hamburg und Professor of Medicine an der Harvard Medical School in Boston.

Saal 7 So, 27.4., 14 Uhr