Krebs: Früherkennung und Therapie immer erfolgreicher

Molekulare Prinzipien verlängern Leben

Molekulare Prinzipien verlängern Leben
Prof. Dr. Michael Hallek (c) Schunk

„Neue wissenschaftliche Erkenntnisse helfen uns, dass wir praktisch jeden Tag ein besseres Verständnis für die Tumorentstehung und das Tumorverhalten gewinnen“, sagte der DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. Michael Hallek auf einer Pressekonferenz der DGIM in Berlin.

 

 

Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln, nannte dies eine eindeutig positive Botschaft, die dazu beitrage, dass das durchschnittliche Sterbealter kontinuierlich ansteige und derzeit, laut Statistischem Bundesamt, bei 73,4 Jahren liegt – so hoch wie nie zuvor.

Dennoch bleibt festzuhalten: Jeder vierte Deutsche stirbt aufgrund eines Krebsleidens. Damit sind hierzulande bösartige Neubildungen die zweithäufigste Todesursache. Doch die Betroffenen leben heute länger, denn Früherkennung und Therapie werden immer erfolgreicher. Molekularbiologische Kenntnisse und Analysetechniken ermöglichen es Wissenschaftlern, besser die Entwicklung bösartiger Tumoren zu verstehen. Dieses Wissen erlaubt zudem eine wirksamere Behandlung.

Entschlüsselung des menschlichen Genoms

Nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahre 2001 können Wissenschaftler Tumoren molekularbiologisch und genetisch identifizieren und klassifizieren: Sie ermitteln zunächst das genetische Profil des Tumors, vollziehen so die Abläufe des Tumorgeschehens nach und ordnen den Krebs molekularen Subtypen zu. Anhand dessen entscheidet sich der Arzt dann für eine gezielte Therapie für genau diesen Patienten. „Mit dieser Form der personalisierten Medizin treffen behandelnde Ärzte heute schon bei bösartigen Tumoren Therapieentscheidungen in Abhängigkeit vom molekularbiologischen Befund“, so Hallek.

Und doch mahnt Hallek eine bessere Vernetzung innerhalb der Medizin an, insbesondere  zum Austausch pathogenetischer Erkenntnisse. „Forscher und Ärzte, Pathologen und Internisten müssen Hand in Hand arbeiten. Wir müssen die Systembiologie auch in die Medizin übertragen.“ Die Fortschritte in der Molekularmedizin gebe den Ärzten viel Hoffnung und Motivation.

Tumorboards an deutschen Universitätskliniken Standard

Hallek: „Perspektivisch werden die Kliniken überlegen sein, die diese Vernetzung erfolgreich umsetzen.“ Einen großen Schritt in diese Richtung stellten die Tumorboards dar, die inzwischen an allen deutschen Universitätskliniken Standard seien und Fachärzte aller beteiligten Bereiche – in der Regel Onkologen, Chirurgen verschiedenster Fachrichtungen sowie Radiologen, Strahlentherapeuten und Pathologen – einschließen.

Dies verschaffe der Inneren Medizin allerdings auch eine neue Bedeutung, die der ganzheitlichen Patientenbetrachtung geschuldet sei: „Dies ist ein starkes Argument für die Beibehaltung des dreijährigen Common trunk in der universitären Ausbildung“, unterstrich Hallek. Die heutige extreme Spezialisierung – auch in der molekularen Medizin – erfordere jemanden, „der den gesamten Menschen im Auge behält“. Wenngleich diese Common trunk-Regelung einzigartig in Europa sei, so sei sie doch äußerst sinnvoll, wie Hallek unterstrich.

Und Hallek äußerste sich zu einem weiteren, durchaus konfliktträchtigen Thema: „Ich plädiere sehr für ein einheitliches Honorarsystem, um Risse zwischen der ambulanten und der stationären Versorgung zu verhindern.“ Diese Sektor-übergreifende Honorierung sei in der Onkologie zwar noch nicht umgesetzt, bleibe aber das Ziel des Fachs – und der DGIM.