Die Zukunft der personalisierten Prävention von Diabetes

Mit kleinen Mitteln viele Menschen erreichen

Mit kleinen Mitteln viele Menschen erreichen
©Reinhart

Wie kann man Diabetes verhindern, bevor die Krankheit entsteht? Über die Zukunft der Diabetesprävention diskutierten die Experten im Symposium des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung.

Wie gut sind wir eigentlich? Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. Peter Schwarz, Dresden, seinen Vortrag in der Session zur Diabetesprävention. Deutschland habe noch einen weiten Weg vor sich. Studien zeigten zwar, dass Diabetes verhindert werden kann, man müsse jedoch Maßnahmen entwickeln, um eine Million Menschen zu erreichen, die gegebenenfalls ein Risiko haben, an Diabetes zu erkranken.

„Die Prävention wird politischer werden“, sagte Schwarz. Schließlich gebe es die Problematik des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. „Wir müssen Konzepte entwickeln, die viele Menschen erreichen, aber nur wenige Kosten erzeugen“, hielt Schwarz fest. Eine gute, leicht verständliche Kennzeichnung der Nahrungsmittel, beispielsweise in Form eines Ampelsystems, sei sinnvoll – „da zieht die Industrie aber nicht mit“. Eine Zuckersteuer sieht Schwarz hingegen kritisch.

Verständnis der Pathophysiologie entscheidend

Das Verständnis der Pathophysiologie des Diabetes hält Schwarz für einen entscheidenden Punkt. Schließlich gebe es auch Menschen, die trotz einer schlechten Ernährung keinen Diabetes entwickeln (Response vs. Non-Response). „Nur wenn wir die Krankheit verstehen, können wir Menschen mit einem hohen Risiko schneller finden und einschreiten“, sagte Schwarz. Außerdem sei es wichtig zu verstehen, was Medikamente leisten können und was nicht. Orale Antidiabetika reichten nicht aus, um Diabetes zu therapieren. Bewegung könne einen weitaus größeren Effekt haben als Medikamente.

„Die Prävention muss Bedürfnisse adressieren – wir müssen die Lebensqualität so schnell wie möglich verbessern“, so Schwarz. „Wir sind über die Smartphones schon in der Hosentasche unserer Patienten. Diesen Zugang, den es vorher nicht gab, müssen wir unbedingt nutzen!“

Risikophänotypen differenziert bewerten

Prof. Dr. Andreas Fritsche, Tübingen, ging auf den „Prädiabetes“ ein und hielt fest, dass neue Risikophänotypen differenzierter bewertet werden müssten (z. B. verminderte Insulinsekretion, Proinsulinkonversionsstörung oder Insulinresistenz und Fettleber). Für die verschiedenen Risikofaktoren sollten jeweils passende Lebensstilinterventionen eingesetzt werden, konventionell vs. intensiv. Das betreffe Veränderungen in der Bewegungsdauer, der Beratung und der Ernährungsänderung.

Bei der Einteilung der Subphänotypen des Prädiabetes sei die Körperfettverteilung ein entscheidender Faktor. Dabei werden das Leberfett, das viszerale Fett, das Pankreasfett, u. v. m. in die Bewertung eingeschlossen. „Die Einteilung in Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist viel zu grob. Die Prävention muss auf die unterschiedlichen Phänotypen zugeschnitten werden“, forderte Fritsche.

Schwangerschaft und Diabetes

Mit dem Thema Schwangerschaft und Diabetes befasste sich Prof. Dr. Hans-Ulrich Häring, Tübingen. Schwangerschaftsdiabetes komme häufiger vor als gedacht und nehme altersbedingt zu. Ein Schwangerschaftsdiabetes beeinflusse das Risiko der Schwangeren, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, und wirke sich zudem negativ auf das Kind aus. „Bei guter Einstellung der Schwangeren sind alle Probleme, die entstehen können, vermeidbar“, sagte Häring. Bei betroffenen Müttern seien deut‧liche Veränderungen in den Fettsäuremustern nachweisbar, z. B. erhöhte gesättigte Fettsäuren sowie eine Reihe von metabolischen Veränderungen und eine Erhöhung des inflammatorischen Profils. Die Lipo-Inflammation bei der Mutter störe die fetale Hirnentwicklung. Eine Intervention muss laut neuen Stu‧dien‧ergebnissen bereits mit der 15. Schwan‧gerschaftswoche beginnen.

Ob die nichtalkoholische Fettleber in Kombination mit Diabetes in Deutschland eine Bedeutung hat, schnitt Prof. Dr. Michael Roden aus Düsseldorf an. Eine Fettleber in Kombination mit Diabetes zeige ein erhöhtes Risiko sowohl für mikro- als auch für makrovaskuläre Erkrankungen. „Eine Fettleber kann durch eine Gewichtsabnahme sehr gut verhindert werden, das klappt aber tatsächlich nur bei circa zehn Prozent der Patienten“, sagte Roden. Empagliflozin könne möglicherweise einen Effekt auf die Fettlebererkrankung bei Typ-2-Diabetes haben, auch unabhängig von bzw. zusätzlich zu einer Gewichtsabnahme. Bei den neuen Therapien stehe man allerdings erst am Anfang.