Mit individueller Krebs-Therapie Patienten passgenau behandeln?

Mit individueller Krebs-Therapie Patienten passgenau behandeln?
Prof. Dr. Michael Hallek

Der Begriff der personalisierten oder individualisierten Medizin hält vor allem Einzug in die Onkologie. Grund dafür ist der sich derzeit vollziehende fundamentale Wandel in den Therapieansätzen.

Der Begriff beschreibt ein modernes Konzept der Medizin, bei dem durch ein vertieftes Verständnis des menschlichen Organismus Krankheitsursachen umfassend bis hin zur molekularen Ebene erfasst werden. Auf der Grundlage dieser verfeinerten Diagnostik werden zielgerichtete Therapien entwickelt, wie Prof. Dr. Michael Hallek, DGIM-Vorsitzender 2014/15 und damit Kongresspräsident im kommenden Jahr, in einem Vorabgespräch betonte.

Dieses Konzept werde vor allem in der Onkologie intensiv vorangetrieben. Das liege daran, dass die Behandlung von Krebserkrankungen zurzeit einen fundamentalen Wandel erlebt: „Durch ein vertieftes Verständnis der Pathogenese, insbesondere der zugrundeliegenden genetischen Störungen in Krebszellen, stehen neue diagnostische und therapeutische Werkzeuge zur Verfügung. Bedeutsam ist dabei das präzisere Wissen um genetisch verursachte Defekte in der Zelle, die zu dauerhaft aktivierten Wachstumssignalen führen.“

Imatinib oder Gefitinib

Sehr prominente Beispiele dafür seien die für Tyrosinkinase-kodierenden Onkogene BCR-ABL bei der chronischen myeloischen Leukämien oder der Epidermal Growth Factor Rezeptor (EGFR)-Mutationen beim Lungenkarzinom. Für diese Störungen seien Medikamente wie Imatinib oder Gefitinib entwickelt worden, die relativ spezifisch diese Tyrosinkinasen hemmen und zu ausgeprägten, anhaltenden klinischen Besserungen führten, wie sie mit anderen Therapien bei diesen Krebsarten bisher nicht erreicht werden könnten.

Hallek: „Dieses Konzept funktioniert nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Die neuen Medikamente (Schlüssel) können nur dann sinnvoll verabreicht werden, wenn die zugrundeliegende molekulare Störung (Schloss) bekannt ist. Die ungezielte Anwendung der gleichen Substanz führt meist zu Unwirksamkeit.“ Daher sei eine genaue genetische Diagnostik nötig als Vorbereitung zur gezielten Anwendung der Medikamente. Die Entwicklung dieses Gebietes erfordere das enge Zusammenspiel zwischen präklinischer Grundlagenforschung, klinischer Forschung und molekularer Diagnostik. Zur optimalen Umsetzung seien, wie HAllek betont, aber auch organisatorische Veränderungen im Gesundheitswesen nötig, um die Versorgung der Bevölkerung Ressourcen schonend zu sichern.

Es besteht laut Hallek, sehr berechtigte Hoffnung, dass am Ende dieser Entwicklung eine andere individualisierte, Pathogenese-orientierte Behandlung von Krebspatienten stehen wird, mit weniger Nebenwirkungen als die bisherigen Therapien und mit einer deutlichen Verlängerung der Lebenserwartung.