Internisten sehen große Chancen in digitaler Medizin

Mit dem Smartphone gegen Herzschwäche

Mit dem Smartphone gegen Herzschwäche
Dr. Friedrich Köhler Reinhart

Von Herzinsuffizienz sind in Deutschland schätzungsweise 3,2 Millionen Menschen betroffen – die Herzschwäche ist der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung. Auch die Kosten von rund 3,2 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem sind ein Grund, die Behandlung der Betroffenen zu verbessern.

Die sogenannte „e-Cardiology“ – neue Informations- und Kommunikationstechnologien in der Herzheilkunde – sollen dazu beitragen. Studien belegen eine verringerte Krankheitslast und Sterberate telemedizinisch betreuter Herzpatienten. „Gegenwärtig erleben wir dramatische Fortschritte in der medizinischen Informationstechnologie, Datenspeicherung und -verarbeitung“, sagt der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß aus Göttingen.

Es sei deshalb absolut nachvollziehbar, dass darüber spekuliert wird, ob Mobile Health zukünftig den Ärztemangel auf dem Land kompensieren könne und Robotics den Pflegenotstand lindern. Heute schon sind in Deutschland 45 Millionen Smartphones in Betrieb, mit einer Smartwatch lässt sich ein komplettes Herz- Kreislauf-Profil des Trägers erstellen. „Anstatt die Werte in der Praxis vom Arzt messen zu lassen, könnten die Geräte Blutdruck, Puls, Blutzucker und weitere Parameter zukünftig kontinuierlich messen und an den Arzt übertragen“, erläutert Hasenfuß. Er sieht in der „digitalen Revolution“ eine immense Chance für die Innere Medizin.

Kosten eines Krankenhausaufenthaltes senken

Ein Beispiel: Mit einem büroklammergroßen Drucksensor in der Lungenstrombahn von Herzpatienten, lässt sich die Medikamentendosis tagesgenau anpassen. Das Implantat misst permanent den Blutdruck in der Lungenarterie. Die Werte überträgt der telemedizinische Sensor an den Arzt, der die Medikation anpasst. Das verbessert die Lebensqualität und die Behandlung so weit, dass ein Drittel dieser Patienten nicht wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Die Kosten eines Krankenhausaufenthaltes wegen Herzinsuffizienz betragen im Durchschnitt 5.000 bis 10.000 Euro. „Insofern liegt jeder vermeidbare Krankenhausaufenthalt nicht nur sehr im Interesse der Patienten, sondern ist auch von gesundheitsökonomischer Relevanz“, sagt Professor Dr. med. Friedrich Köhler, Charité-Universitätsmedizin Berlin. Er leitet auch die Fontane-Studie. Darin untersuchen Forscher an 1500 Herzpatienten, inwieweit Telemedizin die Versorgung von Herzpatienten im ländlichen Raum verbessern kann. Auf der Pressekonferenz der DGIM berichtet Köhler über den aktuellen Stand.

Entscheidend ist, dass wir das Potenzial der digitalen Revolution in der Medizin sinnvoll nutzen“, betont Professor Hasenfuß. „Derzeit schöpfen wir es nur ganz peripher aus.“ Zum Beispiel verlassen die meisten Patienten die Klinik noch mit einem Arztbrief auf Papier. Und auch die digitale Infrastruktur der Universitätskliniken sei weder durchgehend modern aufgestellt noch systematisch vernetzt, bedauert der DGIM Vorsitzende: „„Um dies strukturiert anzugehen, bräuchten wir einen Masterplan und auch die entsprechenden finanziellen Rücklagen, um ihn umsetzen zu können.“