Medizinstudium nicht „verschulen“

Medizinstudium nicht „verschulen“
(c) Sebastian Bernhard_pixelio.de

Die Fachgesellschaft DGIM legt mit dem „Lehrkatalog Innere Medizin“ ein Ausbildungsprogramm für den ärztlichen Nachwuchs vor. Sie ist in Sorge um das akademische Niveau der internistischen Ausbildung.

Die DGIM befürchtet, dass der aktuelle Lernzielkatalog für das Medizinstudium eine fachschulähnliche Situation erzeugen. Erstmalig in ihrer Geschichte legt die DGIM deshalb jetzt gemeinsam mit allen internistischen Schwerpunktgesellschaften ein Ausbildungsprogramm für den ärztlichen Nachwuchs vor. Das Programm ist gültig für die gesamte Lehre in Innerer Medizin.

„Mit der Ausbildung angehender Ärzte in Innerer Medizin übernehmen Medizinische Fakultäten eine extrem anspruchsvolle und wichtige Aufgabe“, sagt Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Denn nur eine systematische internistische Lehre von hoher Qualität bringe auch Ärzte hervor, die Patienten als ganzen Menschen betrachten, anstatt einzelne Symptome zu therapieren. Dieses Risiko besteht der DGIM zufolge, wenn sich der im Sommer 2013 zur Diskussion gestellte Entwurf eines „Nationalen Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM)“ durchsetzt.

Neuordnung des Medizinstudiums angestrebt

Die Lenkungsgruppe des NKLM – der Medizinische Fakultätentag, die Gesellschaft für
Medizinische Ausbildung und weitere Institutionen – streben derzeit eine Neuordnung
des Medizinstudiums an. Den Plan dafür legten sie im Sommer 2013 vor. „Als Fachgesellschaft, die die Innere Medizin in Deutschland vertritt, können wir kein humanmedizinisches Studium unterstützen, das diesen Vorgaben unterliegt“, betont
Professor Dr. med. Peter von Wichert aus Hamburg, der die Abstimmung des Lehrkataloges der DGIM koordiniert. Die DGIM müsse dafür Sorge tragen, so von Wichert, dass das Fach in seiner Gesamtheit gelehrt würde, anstatt sich in unverbundene Einzelteile zu zergliedern. Dies käme einer Verschulung nahe, anstatt dem Ansatz eines systematischen akademischen Studiums zu folgen.

Im Gegensatz zum „Lernzielkatalog“ NKLM führt der Lehrkatalog der DGIM Inhalte
auf, die Medizinstudierenden durch die Universität vermittelt werden sollen. Dabei sei
auch eine Wertung und Gewichtung der Inhalte und Lehrkapitel erfolgt, die es ermöglicht, die Lehre zu strukturieren. „Gemeinsam mit den internistischen Schwerpunktgesellschaften sind wir überzeugt, dass dieser Lehrkatalog den Medizinischen Fakultäten bei der Gestaltung der Ausbildung in Innerer Medizin hilft“, meint Professor Fölsch. Der Katalog gibt den Stand Frühjahr 2014 wieder und ist dazu angelegt, fortgeschrieben zu werden.

85.000 Humanmedizin-Studenten in Deutschland

In Deutschland studierten im Jahr 2013 rund 85.000 junge Frauen und Männer Humanmedizin. Auf 10.000 Studienplätze bewarben sich rund 43.000 Abiturienten. Die Zugangshürden zu diesem Studium sind hoch, ein Teil der Plätze wird über die Abiturnote vergeben: Je nach Bundesland liegt der Numerus Clausus bei 1,0 bis 1,4. Entsprechend anspruchsvoll, fundiert und systematisch sollte auch das Studium sein, fordert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) e.V.