Manns: Markt für „gebrauchte Chefärzte“

Manns: Markt für „gebrauchte Chefärzte“
Prof. Michael P. Manns Foto: Schunk

WIESBADEN – Sein Blick zurück war zugleich einer nach vorne: „Wir haben den Fortbildungscharakter der Tagung erhalten und ausgebaut. Dieser Kongress hat sich über die Jahre entwickelt, und wir werden diese Linie fortführen“, gab Präsident Prof. Dr. Michael P. Manns als Fazit und Prognose aus.

Man werde diese Linie fortsetzen, betonte Manns. Diese Linie bedeutet, Fortbildung auf möglichst allen Gebieten der Inneren Medizin anzubieten. In Wiesbaden hatte Manns als Schwerpunkte die Themenfelder Adipositas, Onkologie und den demografischen Wandel ausgewählt – „alles Themen, die den Internisten in den kommenden Jahren stark beschäftigen werden“.

Neben den vielen spannenden medizinischen Themen habe ihn auch ein Symposium begeistert, in dem über die Rolle der Chefärzte diskutiert wurde: „Die gute Nachricht ist: Es gibt einen Markt für ,gebrauchte Chefärzte‘. Das war nicht immer so. Und: Die Vorstellung, wer einmal Chefarzt ist, bleibt es auch bis zur Rente, ist ein Auslaufmodell.“ Als ganz besonders interessant empfand es Manns, dass die Gründe für ein Scheitern eines Chefarztes in den seltensten Fällen fachliche seien: „Wenn, dann sind es meistens menschliche und damit Führungsprobleme oder Probleme mit der kaufmännischen Leitung eines Hauses.“

Zusammenarbeit von Internisten und Chirurgen

Sehr zufrieden sei er auch mit der Entwicklung der Beziehung zwischen den Internisten und den Chirurgen. Die Gespräche über die großen gemeinsamen Themenfelder seien gut vorangekommen. „Viszeralchirurgen, Herzchirurgen und Intensivmediziner sehen sich verstärkt an einem Strang ziehend.“ Dies habe das entsprechende Symposium, das wenige Wochen vor dem DGIM-Kongress bereits auf dem Chirurgenkongress einmal angeboten worden war, gezeigt. Manns: „Wir sind gut beraten, diese Diskussion zuallererst untereinander zu führen, bevor irgendwelche Kammern Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg treffen.“

Zu erwähnen ist sicherlich auch der viel beachtete Auftritt von Dr. Ijad Madisch im Rahmen von „Chances“, dem Programmteil für den Nachwuchs. Dort stellte Madisch „sein“ Portal ResearchGate vor, das heute vier Millionen Wissenschaftler weltweit nutzen.

Besucher blieben 2014 länger auf Kongress


Stolz ist Manns auf die Tatsache, dass die absolute Zahl der Besucher gegenüber dem Vorjahr (8500 Teilnehmer) etwas gestiegen ist. Mehr noch aber freut ihn, dass die Teilnehmer länger auf dem Kongress verblieben sind: „Wir können anhand der täglich erfassten Barcodes erkennen, dass viele Teilnehmer mehr Tage als zuvor aktiv teilnehmen.“ Diese Präsenzzeit sei um rund zehn Prozent gestiegen.

Und Manns freut sich sehr, dass Prof. Michael Hallek den nächstjährigen Kongress in Mannheim – die Wiesbadener Rhein-Main-Hallen werden abgerissen und neu errichtet – leiten wird. „Er ist mindestens die halbe Miete für einen erfolgreichen Kongress“, beschloss Manns sein Fazit mit einem dicken Lob für den Nachfolger. (sk)