Lösungen für den demographischen Wandel

Lösungen für den demographischen Wandel
Prof. Dr. Karl Lenhard Rudolph

In den nächsten Jahren wird sich die Anzahl der über 60- und über 80-jährigen verdoppeln. Auch ohne gravierende Erkrankungen nimmt die Lebensqualität im Alter deutlich ab. In einem der drei Plenarvorträge stellte Prof. Dr. Karl Lenhard Rudolph Lösungsansätze der Altersforschung vor.

Im Laufe des Lebens nimmt die Funktion fast aller Organe drastisch ab. Neben einer Verringerung der Lebensqualität und der selbstständigen Lebensfähigkeit steigt auch das Krebsrisiko ab dem vierzigsten Lebensjahr exponentiell an. Warum das so ist, ist bisher nicht vollständig erforscht.

Adulte Stammzellen sind für den Erhalt und die Regeneration von Gewebe zuständig, sie sollen aber auch häufig die Ursache für Krebstumore sein. Die Anzahl der Mutationen nimmt mit zunehmender Lebensdauer zu. „Entweder liegt eine zellintrinsische Alterung vor oder eine Alterung des umliegenden Gewebes“, erklärte Rudolph. Als dritte Option stünde zur Debatte, dass die Kommunikation von Stammzelle und Nische über im Blut vorhandene Substanzen gehemmt würde.

Telomerverkürzung als Ursache

Bei jeder Zellteilung verlören die Telomere am Ende der Chromosomen eine große Anzahl an Basenpaaren. Diese stetige Verkürzung führe dazu, dass der Mensch insgesamt nur zu 50-70 Zellteilungszyklen in der Lage sei. „Chronische Krankheiten führen zudem zu einer beschleunigten Verkürzung der Telomere, da sie die Zellteilung anregen“, sagte Rudolph.

Bei Studien wurde in Mäusemodellen festgestellt, dass verkürzte Telomere zu einer geringeren Lebenserwartung führen und die Regeneration von schadhaften Zellen sich deutlich langsamer oder gar nicht vollzieht. Der CDK-Inhibitor 1 (auch p21) verlangsamt, beziehungsweise unterdrückt die Zellalterung und wurde somit als potentieller Hemmer des Wachstums von Tumoren identifiziert. „Durch Deletion von p21 steigt das Krebsrisiko nicht an, es zeigt sich im Gegenteil ein Anti-Tumor-Effekt“, erklärte Rudolph.

Aus Forschung wird Medizin

„Wenn wir die Alterungsvorgänge in Stammzellen verstehen, können wir molekulare Therapien gegen Zellalterung entwickeln und somit das Krebsrisiko senken“, sagte Rudolph. An einer Studie zeigte er, dass gesunde Alte weniger Kosten verursachen als  kranke – daher könnte eine höhere Gesundheit der stark wachsenden alten Bevölkerung nicht nur die Lebensqualität dieser erheblich verbessern, sondern auch zu einer Entlastung der Gesellschaft und zu einer Kostendämpfung im Gesundheitssystem führen. Somit könne die Altersforschung einen positiven Einfluss auf den demographischen Wandel nehmen.