Kochanek: Infektionen nach Transplantation

Kochanek: Infektionen nach Transplantation
Dr. Matthias Kochanek Foto: Reinhart

Dr. Matthias Kochanek ging am Kongressdienstag auf die häufigsten Infektionen nach einer Transplantation ein.

Die Prognose der im Jahre 2012 mehr als 4500 organtransplantierten Patienten (Quelle GBE/ RKI) und der insgesamt fast über 50 000 dokumentierten allogen und autolog stamzelltransplantierten Patienten (Quelle DRST) wird über die Jahre immer besser.

"Das bedeutet aber auch, dass die Patienten nicht nur in hoch spezialisierten Ambulanzen und Kliniken, sondern auch in Arztpraxen und bei Notfällen von nicht spezialisierten Ärzten betreut werden“, erklärte Kochanek. Darum sei die besondere Kenntnis dieser Patienten sehr wichtig.

Dies trifft vor allem für Infektionen bei transplantierten Patienten zu, da diese häufig lebensbedrohlich verlaufen können und ein rasches Handeln nötig ist. Die Infektionserreger und der Verlauf einer Infektion hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. Neben dem zeitlichen Abstand zur Transplantation sind die Art der Immunsuppression, das Nebenwirkungsprofil der Immunsuppressiva, die Dauer der Immunsuppression, die Grunderkrankung, weitere Begleiterkrankungen und auch vorbestehende Infektionen wichtig.

In der ersten unmittelbaren Phase (< 1 Monat) nach der Transplantation treten eher bakterielle Infektionen auf, die häufig auch nosokomial erworben sein können. Spezifische Probleme ergeben sich aus den vielen multiresistenten Erregern wie MRSA, VRE, 3 MRGN (hier besonders ESBL-positive Erreger) oder auch Candida-Spezies. Als Infektionsfokus stehen Infektionen im Rahmen von Aspirationspneumonien, Katheterinfektionen, Wundinfektionen oder Anastomoseninsuffizienzen im Vordergrund, aber auch Langzeitinfektionen mit Clostridium difficile oder Aspergillus sind zu bedenken. „Infektionen, die durch das Spenderorgan verursacht werden, wie Herpes- oder Cytomegalievirus, sind eher selten“, sagte Kochanek.

Infektionsrisiken nach einer antiviralen und PjP-Prophylaxe

Die nachfolgende Phase von einem bis sechs Monaten nach der Transplantation unterscheidet die Infektionsrisiken nach einer antiviralen und PjP-Prophylaxe (Pneumocystits jirovecii Pneumonie; vormals PcP, jetzt PjP). Je nach Status der Prophylaxe können dann die entsprechenden Infektionen wie Herpesinfektionen (HSV, VZV, EBV), Hepatitis B oder PjP auftreten. In dieser Phase ist aber auch an saisonale Infektionen wie Influenza oder andere respiratorische Viren zu denken. Seltener kann eine Reaktivierung einer Tuberkulose, aber auch eine Erstinfektion auftreten.

In der Phase sechs Monate nach der Transplantation spielen dann Infektionen aus dem häuslich erworbenen Bereich wie Pneumonien, Harnwegsinfektionen, Aspergillus und Mucor-Infektionen eine Rolle, aber auch späte virale Infektionen können auftreten.

Bei der Beurteilung von Krankheitssymptomen dieser sehr komplexen Patienten nach Transplanta‧tion sollte also stets auch an eine Infektion beziehungsweise atypisch verlaufende Infektionen gedacht werden. Eine rasche Diagnosesicherung und Therapieeinleitung ist entscheidend für das Überleben dieser Patienten. Eine Kontaktaufnahme mit dem verantwortlichen Transplantationszentrum bringt zusätzliche Informationen über die Besonderheiten des Patienten und sollte stets erfolgen. „Infektionen bei transplantierten Patienten sind immer eine interdisziplinäre Herausforderung und eine gute Kommunikation zwischen den Fachdisziplinen ist Voraussetzung“, betonte Kochanek. (mr)