Ist unbekannt = unerkannt?

Internistenkongress mit Schwerpunkt Migrationsmedizin

Internistenkongress mit Schwerpunkt Migrationsmedizin
Prof. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM Reinhart

Kommen Migranten krank in Deutschland an, leiden sie zwar meist unter den gleichen Erkrankungen wie die einheimische Bevölkerung. Die DGIM rechnet aber auch mit Tropenerkrankungen und hier kaum bekannten Infektionen oder seltenen Erbkrankheiten wie der Sichelzellkrankheit.

Trotz der sehr beschwerlichen Reise nach Deutschland kommen viele Flüchtlinge bei relativ guter körperlicher Gesundheit hier an. „Dennoch ist es wichtig, dass die Ärzte hier vor Ort diese Menschen sofort individuell und fachlich bestmöglich versorgen können“, sagt Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM und Kongresspräsident des 122. Internistenkongresses. Es zeichne sich bereits jetzt ab, dass den Ärzten hierzulande künftig wieder Krankheiten begegnen, die in Deutschland selten oder gar nicht mehr vorkommen. Zudem würden Mediziner in Klinik und Praxis mit Erkrankungen konfrontiert sein, die sie allenfalls aus dem Lehrbuch kennen, meint Professor Hasenfuß, der Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Georg-August-Universität Göttingen ist.

Die Meldungen des Robert Koch-Instituts weisen darauf hin, dass einige Infektionserkrankungen wie Tuberkulose, Diphtherie oder Meningitis in Deutschland meist bei Menschen mit Migrationshintergrund auftreten können. Falsch wäre es jedoch, mit solchen Beispielen Ängste in der Bevölkerung zu schüren oder sich allein auf Infektionskrankheiten zu konzentrieren, so Hasenfuß: „Die meisten dieser Krankheiten sind gut behandelbar. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt sie rechtzeitig erkennt.“

Und oft besteht zwar gar keine Ansteckungsgefahr, aber die Patienten brauchen dennoch schnell spezialisierte Hilfe. Etwa bei einer seltenen angeborenen Bluterkrankung, der Sichelzellkrankheit. Diese tritt verstärkt auf dem afrikanischen Kontinent auf und kann bei Säuglingen und Kindern, sofern sie nicht erkannt wird, bereits in jungen Jahren zum Tode führen.

Internisten sind häufig die ersten Behandler

Häufig sind es Internisten, Allgemeinmediziner und Niedergelassene, die kranke Migranten zuerst behandeln. Damit sie die Symptome dieser Patienten richtig diagnostizieren können, befasst sich die DGIM bei ihrer Jahrestagung in Mannheim in einer Hauptsitzung mit dem Thema Migrationsmedizin. „Auch das kontinuierliche Fortbildungsangebot der DGIM soll dahingehend erweitert werden“, stellt Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel, in Aussicht.

Eine gemeinsame Mitglieder-Umfrage der DGIM und des Bundesverbands Deutscher Internisten (BDI) wird zeigen, mit welchen Fällen die Ärzte in ihrem Berufsalltag konfrontiert werden. Daran orientiert, werden DGIM und BDI ein bedarfsgerechtes Fortbildungs-Curriculum anbieten.

Weitere Informationen zum Kongress finden Interessierte hier: www.dgim2016.de