Weiterbildung Geriatrie

Integration oder Spezialisierung?

Integration oder Spezialisierung?
Dr. med. Michael Meisel Foto: Pixa

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam erstmalig durch Ignatz Nascher, einen österreichischen Arzt, die Frage nach einer Spezialisierung in der Altersmedizin auf. Betrachtet man die Abbildung des Fachgebietes heute, reicht diese von einer eigenen Facharztdisziplin bis zur Subspezialisierung im Bereich der Inneren Medizin.

Für beide Möglichkeiten der Einordnung des Fachgebietes in den Fächerkanon der Medizin gibt es Argumente. Der alte oder hochbetagte Mensch wird zum geriatrischen Patienten, wenn als Folge einer Erkrankung die physischen, psychischen und sozialen Kompetenzen soweit gemindert werden, dass Teilhabe oder Autonomie im gewohnten sozialen Umfeld eingeschränkt sind.

Dabei spielen die aktuelle Erkrankung, vorbestehende chronische Krankheiten und Behinderungen inklusive der verordneten (Pharmako-)Therapie sowie altersbedingte physische und psychische Veränderungen eine Rolle. Kenntnisse in den Fachgebieten, in welchen die wesentlichen Akutkrankheiten der Alterspatienten behandelt werden, insbesondere Innere Medizin, Traumatologie, Neurologie und Psychiatrie, stellen interdisziplinären (integrative)  Inhalte der Geriatrie dar.

Geriatrietypische Multimorbidität

Zur geriatrietypischen Multimorbidität zählen eine Reihe von chronischen Krankheiten, die überwiegend ins Fachgebiet der Inneren Medizin, seltener in andere Bereiche gehören. Ein Spezifikum der Geriatrie stellen die geriatrischen Syndrome dar, typische Störungsmuster des Hochbetagten, die durch unterschiedliche, sich teilweise gegenseitig beeinflussende ätiologische Faktoren, auf dem Boden alters- und krankheitsspezifischer Veränderungen hervorgerufen werden.

Spezifische Kenntnisse beinhalten Diagnostik und Therapie der eingeschränkten Funktionalität mit ihrer Auswirkung auf die Patienten durch geriatrisches Assessment, multidisziplinäre Therapie mit rehabilitativer Komponente, Teamarbeit, Polypharmazie u. a.

Eigenständiger Facharzt für Geriatrie?

Somit stellt Geriatrie eine Kombination aus der Erweiterung internistischer Inhalte um Wissen benachbarter Gebiete und der Spezialisierung auf bestimmte geriatrische Kenntnisse und Methoden dar. In der aktuellen Überarbeitung der Musterweiterbildungsordnung ist die Neuetablierung eines eigenständigen Facharztes für Geriatrie aus verschiedenen Gründen nicht zu erwarten. Umso wichtiger ist es deshalb, das Fach auf Facharztniveau im Gebiet Innere Medizin als Schwerpunkt Innere Medizin und Geriatrie zu etablieren, da viele internistische Kenntnisse und Fertigkeiten unabdingbare Voraussetzungen geriatrischer Arbeit  sind.

Diesbezüglich wurden von den geriatrischen Fachgesellschaften Weiterbildungsinhalte erarbeitet, die in dem gemeinsamen Vorschlag der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und des Bundesverbandes Deutschen Internisten eingegangen sind. Ferner sollte die Zusatzbezeichnung in den anderen Fachgebieten mit hohem Anteil geriatrischer Patienten erhalten bleiben. Der Vortrag beschreibt die internistischen aber auch die darüber hinausgehenden Weiterbildungsinhalte der Geriatrie.

Dr. med. Michael Meisel ist seit  2000 Chefarzt der „Klinik für Innere Medizin und Geriatrie“ am Diakonissenkrankenhaus Dessau.  2005 wurde er zum Weiterbildungsbeauftragten im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie gewählt, seit 2009 hat er die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin.