Was gute Gewichtsreduktionsprogramme auszeichnet

Was gute Gewichtsreduktionsprogramme auszeichnet
Dr. Christina Holzapfel ist Ernährungs-
wissenschaftlerin und wissenschaftliche
Geschäftsführerin des Kompetenznetzes
Adipositas.
Foto: Pixa

Wiesbaden – Nachfrage nach und Angebot an Diäten sind riesig – was der hohen Adipositasprävalenz geschuldet ist. Das Normalgewicht ist selten geworden: Weit mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist übergewichtig.

Wie gravierend die Situation in Deutschland bereits ist, skizzierte Dr. Christina Holzapfel, Ernährungswissenschaftlerin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des Kompetenznetzes Adipositas. Die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS) zeige, dass 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig seien und 23 Prozent der Männer sowie 24 Prozent der Frauen bereits adipös.

Oft erschwertes das große Angebot an Gewichtsreduktionsprogrammen dem Arzt und Patienten, ein geeignetes Programm auszuwählen. Gerade Maßnahmen ohne wissenschaftliche Evidenz würden gerne bevorzugt, da sie meist eine hohe Gewichtsreduktion in kurzer Zeit versprechen, sagte die Wissenschaftlerin. Evidenzbasierte Programme hingegen gebe es vergleichsweise wenige. „Je unseriöser die Programme, desto mehr ist der Jojo-Effekt garantiert“, berichtete Holzapfel.

Doch woran erkennt der Arzt ein gutes Gewichtsreduktionsprogramm? Laut der Ernährungswissenschaftlerin basiert es auf einem multidisziplinären Ansatz und zielt auf eine nachhaltige Lebensstiländerung ab. Generell stünden die persönlichen Bedürfnisse der Betroffenen im Vordergrund, da deren Berücksichtigung die praktische Umsetzung erleichtere und die Compliance fördere.

Vier Therapieansätze

Die Auswahl einer Methode hängt vom Ausgangsgewicht, der Anamnese und von den Vorlieben und Möglichkeiten der Betroffenen ab. Grundsätzlich gibt es vier Ansätze zur Therapie der Adipositas:

Erstens die konservativen Maßnahmen mit Lebensstiländerung (Reduktion der Energiezufuhr, Steigerung der körperlichen Aktivität) und Verhaltensmodifikation. Sie werden meist über Gewichtsreduktionsprogramme vermittelt und sind Basis jeder Adipositastherapie. Zweitens die Formuladiät/Mahlzeitenersatzstrategie, die nur für begrenzte Zeit und ab einem BMI von 30 kg/m² möglich ist. Drittens die Medikamente, wobei in Deutschland derzeit nur Orlistat (Lipasehemmer) verfügbar ist, so dass Medikamente eine untergeordnete Rolle spielen. Und viertens die bariatrische Chirurgie, die ab einem BMI von 40 kg/m² oder ab einem BMI von 35 kg/m² mit Folgeerkrankungen möglich ist, allerdings eine Antragsstellung erfordert.

Die Frage ist, was ist Erfolg? „Erfolg ist immer auch etwas Subjektives und abhängig vom Ausgangsgewicht“, sagte Holzapfel. Wissenschaftlich fundierte und evaluierte Gewichtsreduktionsprogramme wie Weight Watchers, M.O.B.I.L.I.S. und „Ich nehme ab“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, zeichnen sich durch einen multidisziplinären Ansatz aus, der meist zu einer moderaten Gewichtsreduktion von circa fünf Kilogramm nach einem Jahr führe.

Effekte auf Stoffwechsel

Jedoch ist bereits eine moderate Gewichtsreduktion mit positiven Effekten auf den Stoffwechsel verbunden – selbst wenn das für die Patienten nicht ausschlaggebend ist. „Die Betroffenen wollen eine rasche Gewichtsabnahme, im Vordergrund steht eine höhere Attraktivität und weniger die gesundheitlichen Vorteile“, erklärte Holzapfel.

Ihr Fazit: Auch wenn konservative Therapiemaßnahmen im Mittel nur eine moderate Gewichtsreduktion erzielen, so sind multidisziplinäre Gewichtsreduktionsprogramme empfehlenswert, die die Komponenten Ernährung, Bewegung und Verhalten einschließen und auf eine nachhaltige Lebensstiländerung abzielen. Die individuellen Bedürfnisse und Ziele der Betroffenen müssten beim Gewichtsmanagement stets im Auge behalten werden. Und nicht zuletzt: „Das Ziel Gewichtserhaltung ist genauso wichtig wie die Gewichtsreduzierung.“ (se)