Hallek: Kongress 2015 zu molekularer Revolution

Hallek: Kongress 2015 zu molekularer Revolution
Prof. Dr. Michael Hallek

„Wir stehen vor dem Aufbruch in eine neue Zeit.“ Genau diese Statusbeschreibung für die Innere Medizin hat Prof. Dr. Michael Hallek, 2015 Präsident des 121. Kongresses der DGIM, zum Motto der Tagung gemacht: „Molekulare Prinzipien der Inneren Medizin: Aufbruch in eine neue Ära“ lautet das Leitthema in Mannheim.

Paul Klees Bild „Hauptweg und Nebenwege“ steht als Kongresslogo dar, was Hallek meint: „Dieser Titel beschreibt ganz gut die Situation in der Medizin – und das gilt nicht nur für Therapiefragen, sondern auch für Innovationen im gesamten Gesundheitssystem.“ Die derzeitige molekulare Revolution in der Medizin, begründet in der bezahlbar gewordenen Genom-Entzifferung und der Entschlüsselung von Krankheitsgenen, halte Einzug in den klinischen Alltag. Und nicht nur in der Krebstherapie entstünden dadurch völlig neue Konzepte. Und: Der Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Universität Köln formuliert als ein Ziel des 2015er Kongresses, die Implementierung der klinischen Forschung in die Versorgung weiter zu forcieren.

Doch auch politischen Themen widmet Hallek 2015 Raum. Zunächst verweist er auf den wohl bald bevorstehenden Kosten-Tsunami, der auf das Gesundheitssystem zurolle: „Derzeit haben wir (noch) das Glück eines solidarischen Systems.“ Das aber stehe vor einer fragilen Zukunft. Hier müssten auch die Mediziner das Wort ergreifen und Stellung beziehen.

Diskutiert werden müsse auch die Honorierung ärztlicher Leistungen. Hallek: „Wir müssen weg von der rein ökonomisch-technischen Leistungsbewertung.“ Schon jetzt sei es so, dass etwa eine Anamnese nur schlecht bezahlt, eine bewusst gewählte Nichtversorgung gar nicht vergütet werde: „Wir müssen uns die Tugend bewahren, als Arzt auch Dinge zu unterlassen – und das im Patientengespräch entsprechend erläutern“, sagt Hallek. Und: „Ärzte verkörpern als einzige im Gesundheitssystem das soziale Gewissen. Dabei sind wir viel zu oft gezwungen, uns ökonomisch anzupassen.“ Dabei sei es für Ärzte enorm wichtig, in der Patiententherapie „auch mal nichts zu tun“. Ein Weg, dies honorartechnisch darzustellen, könnte eine bessere Entlohnung von intensiven Patientengesprächen sein. Hallek: „Die Patentlösung dazu habe ich allerdings auch nicht. Das müssen wir gemeinsam diskutieren.“

Auch 2015 wird wieder ein Patiententag stattfinden; diesmal allerdings bereits eine Woche vor dem Kongress, der auch zeitlich etwas deutlicher vom Kardiologenkongress getrennt sein wird. Der gute Kontakt zu den Chirurgen soll weiter ausgebaut werden, und auch die Politik will Hallek in den Kongress mit einbeziehen: „Wie das geschehen soll, darüber müssen wir noch intern sprechen.“

Insgesamt will Hallek die DGIM stärker in politische Prozesse mit einbeziehen: „Wir müssen politische Impulse setzen und nicht immer nur reagieren auf das, was uns die Politik vorgibt.“ Geplant ist auch, sich stärker in der EU-Hauptstadt Brüssel einzubringen.

Der Kongress 2015 findet vom 18. bis 21. April im Congress Center Rosengarten in Mannheim statt. Der Grund: Die Rhein-Main-Hallen werden abgerissen und neu aufgebaut.