Der Einfluss des Mikrobioms auf Krankheiten

Forschung noch am Anfang

Forschung noch am Anfang
Prof. Gerhard Rogler Reinhart

In den vergangenen Jahren haben neue Erkenntnisse zum menschlichen Darmmikrobiom für viel Aufsehen gesorgt. Aktuelle Erkenntnisse teilten die Referenten des Symposiums „Das Mikrobiom – der neue Verdächtige“.

Die mangelnde Stabilität des Mikrobioms entlarvte Prof. Dr. Gerhard Rogler, Zürich, als eines der größten Probleme bei seiner Erforschung. Bereits zu Beginn des Lebens sei das Mikrobiom unterschiedlich ausgebildet, je nachdem, um welche Art der Geburt es sich handele. Ein weiterer Einflussfaktor sei, ob das Kind gestillt oder künstlich ernährt werde.

Die Enterotypen könnten über die Ernährung beeinflusst werden, auch da gebe es keine Stabilität des Mikrobioms. Trotz der unterschiedlichen Zusammensetzung bei verschiedenen Menschen sei die Funktion jedoch sehr homogen. „Ein normales Mikrobiom stellt für uns einen Schutz dar“, sagte Rogler.

Antibiotikaeinsatz in der Kindheit könne auf die Entstehung von chronischen Darmerkrankungen einen Einfluss haben. Man solle jedoch bedenken, dass die genetische Prädisposition ebenfalls eine Rolle spiele. Trotzdem haben Umweltfaktoren einen großen Einfluss.

Die Therapieoption der Fäkalen Mikrobiota Transplantation (FMT) funktioniere bei Colitis ulcerosa. Die Frage der Verabreichung bleibe jedoch – Injektion, Einlauf, naso-duodenale Sonde – die untere GI-Route habe eine Erfolgsquote von 91 Prozent. Die Datenlage sei jedoch gespalten. Metaanalysen zeigen, dass ein Viertel der Patienten in Remission geht. Rogler: „Das ist nicht wirklich befriedigend.“ Eine große Heterogenität bestehe bei der Durchführung der Therapie (s. o.).

Man könne nicht erwarten, dass bei allen Patienten das Gleiche passiert, da die Spender auch höchst individuell seien und daher auch da eine Heterogenität vorliege. „Das, was wir tun, ist zurzeit leider noch sehr unkontrolliert“, sagte Rogler.

Über das Mikrobiom im Zusammenhang mit Diabetes und Adipositas sprach PD Dr. Erhard Siegel, Heidelberg. Die Darmdiversität sei bei Adipositas deutlich reduziert, was bei vielen Krankheiten der Fall sei. Spezifisch für die Adipositas sei jedoch die Verschiebung der Gattungen von Darmbakterien. Man beobachte eine Abnahme von Bakteroides, die bei Morbus Crohn zum Beispiel erhöht seien.

Der Mensch bestimme durch seine Genetik und die Ernährung, welche Bakterien er in seinem Darm trägt. „Nach einer Lebensstilintervention fallen wir aber immer wieder auf unser altes Mikrobiom zurück“, sagte Siegel. Daher müssten Veränderungen durch Nahrungsergänzungsmittel ein Leben lang durchgeführt werden.

Diabetespatienten haben eine veränderte Darmpermeabilität. Über Inflammation, Insulinresistenz und Fettleber, mikro- und makrovaskuläre Komplikationen verändere sich der Typ-2-Diabetes. „Es gibt eine große Bandbreite an Komplikationen, daher ist es schwierig, die Patienten richtig einzustellen“, erklärte Siegel.