Probleme beim akademischen Nachwuchs in der Pflege

Es fehlt Lehrpersonal

Es fehlt Lehrpersonal
©Schunk

Es ist womöglich das drängendste Thema im Gesundheitsbereich: die Pflege. Mit dem „Kippen“ der Alterspyramide wird die Frage der Versorgung durch Pflegeberufe immer dringlicher. Eine eigene Session auf dem DGIM-Kongress befasste sich mit dem Thema.

Belastende Arbeitsbedingungen, sinkende Bewerberzahlen, Unklarheit über den Qualitätsmix und einige fehlende akademisierte Pflegekräfte in der direkten Patientenbetreuung – die Liste der Unzulänglichkeiten ist damit noch lange nicht zu Ende. Und für Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa von der Katholischen Hochschule Mainz ist klar: „Die Verantwortung für das Pflegemanagement liegt im Management – es braucht keine Verwalter, sondern wir brauchen Gestalter.“

Drei Bachelor-Gruppen

Die Bachelor-Absolventen, die derzeit in den Arbeitsmarkt kommen, müssen, – so die Forderung Anderl-Doliwas – je nach Ausbildungsgang, Berufserfahrung und Persönlichkeit eingesetzt werden. Grob könne man von drei Gruppen sprechen: denjenigen, die die fachliche Führung übernehmen können, denjenigen, die „supporten“ können, und solchen, die zunächst Berufserfahrung sammeln sollten.

Um akademische Kräfte in den Ablauf zu integrieren, gelte es, die vorhandenen Probleme zu lösen. Diese lägen in der Akzeptanz der bereits dort Tätigen (Konkurrenzempfinden) und in der „Wir sind alle gleich“-Kultur. Dies könne nur durch detaillierte und Berufsgruppen übergreifende Einsatzkonzepte und Aufgabenfelder sowie durch einen „Ausgleich“ zwischen Selbstbewusstsein und Anerkennung von Erfahrung bei den Pflegenden überwunden werden.

Akademisch qualifizierte Kräfte könnten bei besonderen Patientengruppen (multimorbide, chronisch Kranke), komplexen Problemstellungen (herausfordernde familiäre Situationen, transkulturelle Probleme etc.) und erweiterten Aufgaben (Diagnostik, Fallsteuerung) zum Einsatz kommen.

Erwiesen sei, dass ein erhöhter Einsatz von Bachelor-Absolventen zu einer Verminderung der Mortalitätsrate führt (zehn Prozent mehr Bachelor = sieben Prozent geringere Mortalität und reduzierte Drehtüreffekte).

Für Tobias Immenroth (Foto), Gesundheits- und Krankenpfleger und Hochschullehrer am Studiengang Angewandte Pflegewissenschaft der Ostfalia, gibt es ein ausreichend großes Bewerberpotenzial für den Pflegeberuf. Der Wissenschaftsrat etwa habe empfohlen, bei einem entsprechenden Ausbau von grundständigen Studiengängen deutschlandweit jährlich 2700 bis 5400 Studienplätze in der angewandten Pflegewissenschaft anzubieten.

Generell seien derzeit auch ausreichend Bewerberinnen und Bewerber mit einer Hochschulzugangsberechtigung in den Ausbildungsgängen vorhanden – Immenroth bezifferte die Zahl auf rund 10.000 pro Jahrgang. Allerdings bremsten die Ausbildungskosten eine entsprechende Investition durch die Bundesländer und die Hochschulen.

Denn die Erfahrungen aus den Modellstudiengängen „primärqualifizierende Pflege“ lägen bei jährlichen Kosten von 24.000 bis 30.000 Euro – pro Student. Ein weiteres, gravierende Problem liege darin, dass entsprechend geeignetes Lehrpersonal an den Hochschulen nicht vorhanden ist.