Ein komplexes Syndrom mit erschwerter Diagnostik

Ein komplexes Syndrom mit erschwerter Diagnostik
Dr. Reinhard Dengler

Die Symptome beunruhigen, die Diagnose ist schwierig: Die Volkskrankheit Schwindel birgt Tücken. Der Neurologe Prof. Dr. Reinhard Dengler fasste auf dem Wiesbadener DGIM-Kongress  therapeutische Vorgaben zusammen.

Die Krankheit nimmt im Alter an Häufigkeit zu: Rund 30 Prozent der 65-Jährigen, aber schon 50 Prozent der 75-Jährigen sind betroffen. Das Problem ist: Akuter Schwindel kann lebensgefährlich, aber eben auch harmlos sein. Auslöser können Störungen im Gleichgewichtsorgan im Ohr, den Hirnstamm, das Kleinhirn sowie verschiedene höhere Gehirnstrukturen betreffen. Gefragt sind also Neurologen, HNO-Ärzte und  Internisten/Kardiologen. Nicht zu vergessen im „Ursachen-Portfolio“ ist der psychogene Schwindel, etwa der phobische.

Unterschied zwischen chronisch und akut

Generell müsse zwischen chronischem  Schwindel und akuten Attacken unterschieden werden. „Kritisch sind die zerebralen Durchblutungsstörungen etwa nach Schlaganfällen und Hirnblutungen. Und die werden häufig zu spät diagnostiziert“, weiß der Hannoveraner Neurologe. Umstritten sei, ob es durch Veränderungen an der Halswirbelsäule  zu Schwindel kommen könne. Bei etwa der Hälfte der Patienten werde nach eigener Erfahrung keine Ursache gefunden: „Hier muss man von somatoformen Ursachen ausgehen“, sagt Dengler.

Dringenden Abklärungsbedarf  gebe es bei einem vermeintlich vestibulären Schwindel: Es müsse dringend die Gefahr eines Schlaganfalls abgeklärt werden. Bei akuten Innenohrstörungen sei der HNO-Arzt gefragt, bim benignen Lagerungsschwindel helfen Lagerungsübungen und kreislaufbedingter Schwindel gehöre in die Hand von Internisten/Kardiologen. Dengler: „In ungeklärten, eher chronischen Fällen können Antivertiginosa und bei HWS-Veränderungen Physiotherapie versucht werden.“