Mobile Health: Kollegen sollen sich an App-Bewertungen beteiligen

Ein Filter für Medizin-Apps

Ein Filter für Medizin-Apps
©Schunk

Sie birgt – neben allen Chancen – dann eben doch auch Tücken: die Digitalisierung. Die DGIM befasst sich intensiv damit. Eine DGIM-Arbeitsgruppe widmet sich dabei dem Themenfeld der Mobile Health.

Vorsitzender dieser Taskforce ist Prof. Dr. Gerd Hasenfuß. Das konkrete Ziel dieser Arbeitsgruppe, die neben der AG Digitale Medizin unter der Leitung von Prof. Dr. med. Friedrich Köhler, Berlin, agiert, ist, sich explizit mit dem Angebot an Apps für den Klinikalltag zu befassen. PD Dr. Urs-Vito Albrecht (Foto) von der MH Hannover, Mitglied dieser Taskforce, sieht einen großen Bedarf darin, Medizin-Apps für Klinik und Praxis zu qualifizieren.

Das Smartphone als Unterstützer im Klinik- und Praxisalltag ist inzwischen unverzichtbar. Wo derzeit schon Arzneimittelpocket, EBM, Ada Health zur Unterstützung der Diagnostik und die DGIM-Leitlinien-App zur raschen Verwendung bereitstehen, ist ausreichend Platz für weitere digitale „Unterstützer“. Doch welche sind empfehlenswert? Und was ist mit den mehr als 100.000 Gesundheits-Apps für Patienten? Welche sind geeignet? Welche sind empfehlenswert? Gibt es Risiken? Sind die Apps für die jeweilige Indikation zweckmäßig?

Gesundheits-Apps haben, betont Albrecht, ein großes Potenzial, aber es gebe wenig Evidenz, kaum Transparenz, und die Qualität sei daher nur schwer zu beurteilen. Auch eine valide Risiko-Nutzen-Abwägung sei kaum möglich. Anstatt sich der (nicht leistbaren) Mammutaufgabe zu stellen, alle Apps selbst zu untersuchen und zu bewerten – das kostet nach Angaben Albrechts jeweils rund 60.000 Euro –, sieht die Strategie der DGIM vor, die Mitglieder zu sensibilisieren und dazu zu bewegen, sich an der Meinungsbildung zu den Apps zu beteiligen. Ziel dieser vor zwei Jahren gegründeten Taskforce „Mobile Health“ sei es, Orientierungshilfen und Checklisten zu entwickeln, die dabei helfen, Apps konkret zu bewerten, also eine Art „DGIM-Filter“ zu entwickeln.

Die DGIM will daher für eige‧ne Empfehlungen die Kriterien Aufklärung (Sensibilisierung), Abstimmung (welche Vorstellungen haben die Fachgesellschaften?) und Angebote (Orientierungshilfen, inhaltliche Bewertungen) anlegen. Albrecht: „Wir entwickeln Strategien zu Bewertung von Apps, und wir probieren dazu Evalua‧tionsmethoden aus.“ Bewertungskriterien für solche Apps könnten etwa die Rechtskonformität (Datenschutz, Medizinproduktegesetz etc.) und die Transparenz seien.

Mit dieser Strategie stehe die DGIM aber „noch am Anfang“. Am Ende könnte tatsächlich eine Art Siegelvergabe durch die DGIM stehen. Dies könne aber nur umgesetzt werden, wenn sich die App-Entwickler an die gegebenen Kriterien dauerhaft halten – also auch, wenn Updates der jeweiligen Apps umgesetzt werden.