Deutsche AIDS-Hilfe: Auch hierzulande niemanden zurücklassen

Deutsche AIDS-Hilfe: Auch hierzulande niemanden zurücklassen
Impression von der 20. Internationalen
Aids-Konferenz

Foto: International AIDS Society/James Braund

In Melbourne ist die 20. Internationale Aids-Konferenz zu Ende gegangen. Kein Satz wurde in Melbourne häufiger zitiert als "Nobody left behind" ("Niemanden zurücklassen"). Das war die Überschrift der Melbourne-Deklaration gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV.

In den meisten Ländern erhalten die am stärksten betroffenen Gruppen keine angemessene Prävention. Dazu gehören Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, Drogenkonsumenten, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Trans-Menschen sowie Menschen in Haft.

Deutsche AIDS-Hilfe zieht positive Kongressbilanz

Wissenschaft und Menschenrechte zusammenzuführen - die wichtigste Bedingung für erfolgreiche Maßnahmen gegen HIV und Aids - war das vorrangige Ziel der Konferenz, sagt die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH), die ein positives Fazit zieht. 

"Von dieser Konferenz geht ein starkes politisches Signal aus. ,Niemanden zurücklassen' - das ist hier Konsens. Die Fachwelt ist sich einig: Diskriminierung von Menschen mit HIV und den am stärksten betroffenen Gruppen ist das größte Hindernis, wenn es darum geht, diese Epidemie zu beenden. Diese Botschaft kommt hoffentlich in den Ländern an, die mit Strafverfolgung und Diskriminierung die Menschenrechte brechen und damit die Verbreitung von HIV fördern", sagt DAH-Vorstand Carsten Schatz.

Auch in Deutschland noch Lücken in der Prävention

Die deutsche HIV-Prävention wurde in Melbourne vielfach als vorbildlich gelobt, weil sie die genannten Gruppen als gleichwertige Partner in die Prävention einbezieht. Dies geschieht vor allem durch die Arbeit der Deutschen AIDS-Hilfe, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Doch auch in Deutschland werden noch Menschen "zurückgelassen". DAH-Vorstand Schatz: "Menschen in Haft erhalten keine sauberen Spritzen und teilweise auch keine Substitutionstherapien - sie sind damit von den wirksamsten Maßnahmen gegen HIV und Hepatitis C ausgeschlossen. In zehn Bundesländern gibt es keine Drogenkonsumräume, obwohl solche Einrichtungen nachweislich Leben retten und keinerlei Nachteile haben. Diese Missstände kosten viele Menschen ihre Gesundheit und das Leben. Bund und Länder stehen in der Pflicht, diese Verstöße gegen die Menschenrechte unverzüglich zu beenden."

Deutsche AIDS-Hilfe: Immer noch oft Diskriminierung

Alle genannten Gruppen erfahren auch in Deutschland noch Diskriminierung, teilt die Deutsche AIDS-Hilfe mit: Knapp 80 Prozent der Menschen mit HIV gaben bei einer Befragung der Deutschen AIDS-Hilfe an, im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erfahren zu haben - von Klatsch und Tratsch über Zurückweisung beim Zahnarztbesuch oder Mobbing bei der Arbeit bis hin zu körperlicher Gewalt. Eine vollständige rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben wird von den Unionsparteien blockiert.

Zudem ist die (potenzielle) Übertragung von HIV in Deutschland noch immer strafbar. Durch die Kriminalisierung werde Menschen mit HIV einseitig die Verantwortung für den Schutz übertragen und die Hauptbotschaft erfolgreicher Prävention geschwächt, nach der jeder Mensch für sich selbst die Verantwortung übernehmen muss. Menschen dazu zu befähigen, sei und bleibe das wichtigste Ziel der HIV-Prävention.