Den ganzen Menschen im Fokus

Den ganzen Menschen im Fokus

DGIM-Präsidentin Prof. Märker-Hermann mahnt Systemdenken in Innerer Medizin an – „Chances“ für Fachnachwuchs. Während die Subspezialisierung der Inneren Medizin voranschreitet, legt die DGIM-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann größten Wert auf etwas anderes: den Blick auf den ganzen Menschen. 

Es wird der Kongress einer besonderen Premiere sein: Wenn sich vom 6. bis 9. April Deutschlands Internisten in Hessens Landeshauptstadt zu ihrer Jahrestagung treffen, steht erstmals eine Vertreterin der Rheumatologie an der Spitze der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) – und firmiert damit auch als Kongresspräsidentin.
Märker-Hermann, Leiterin der Wiesbadener Horst-Schmidt-Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie, möchte diesem Kongress einen besonderen Stempel aufdrücken: „Kein Internist kann alles können, kann noch echter Generalist sein. Dennoch ist es gerade heute wichtig, dass die Ärztin, der Arzt im individuellen Arzt-Patienten-Verhältnis den ganzen Menschen im Blick hat“, betont sie im Gespräch mit SPECTATOR CONGRESS.

„Vom Organ zum System“ lautet denn auch das Kongressmotto, das Märker-Hermann gewählt hat. Und hier kommt zum Ausdruck, was gemeint ist: Die Frage, ob eine Erkrankung „Hauptdiagnose“ oder „Komorbidität“ ist, entspreche häufig nicht der komplexen Pathogenese internistischer Krankheitsbilder, nicht den Organinteraktionen und auch nicht den Bedürfnissen des Erkrankten, betont Märker-Hermann. Diese – ebenso wie die Wechselwirkungen zwischen den therapeutisch eingesetzten Medikamenten – erforderten stets ein Systemdenken.

Die Betreuung des internistischen Patienten sei nur in den wenigsten Fällen rein organorientiert möglich. Internisten, die chronisch Kranke versorgten und über Jahre begleiteten, wüssten zudem aus der gemeinsamen Erfahrung, wie sehr chronische Erkrankungen die psychische, berufliche und psychosoziale Situation der Patienten beeinflussen, sagt die Rheumatologin und Immunologin.

Logischerweise folgen die Hauptthemen des Kongresses diesem Leitthema. Als Hauptthemen angeboten werden:

• Systemische Entzündung und Immunität
• Versorgungsforschung
• Rationelle Diagnostik
• Morbidität und Komorbidität
• Minimalinvasive Therapie
• Telemedizin
• Der chronisch Kranke und sein Arzt

Zu einigen der Hauptthemen sind Plenarsitzungen mit jeweils zwei Vorträgen geplant. Mitgewirkt bei der Programmgestaltung haben übrigens auch die Mitglieder. Märker-Hermann: „Wir haben in die inhaltliche Gestaltung die Ergebnisse der Mitgliederbefragung von Ende 2011 einfließen lassen.“ Auf diese Weise sind aktuelles Forschungswissen für die Praxis, interdisziplinäre Themen, mehr Notfallmedizin sowie interaktive Fallseminare mit spannenden Einzelfällen verstärkt worden.

Und: Märker-Hermann legt viel Wert darauf, den wissenschaft¬lichen Nachwuchs zu stärken. Drei Kongresstage lang (Sonntag bis Dienstag) wird das Forum „Chances“ den Internistennachwuchs ansprechen: Am Sonntag wird die „Vogelperspektive“ auf das Fach („Internist oder Spezialist?“, „Weiterbildung und Forschung“) geboten, an den beiden Folgetagen stellen sich die Schwerpunkte und Zusatzbezeichnungen der Inneren Medizin dem Nachwuchs vor.