„Den eingeschlagenen Weg fortsetzen“

„Die Symbiose aus Wissenschaft und Medizintechnik hat sich bewährt.“ Insbesondere die Interdisziplinarität zwischen verschiedenen Professionen aus dem Gesundheitssektor mache die Konferenz so attraktiv. 

Lehnert: positive Rückmeldungen zur Medica Education Conference

„Wir haben gute Feedbacks bekommen, die Teilnehmer waren sehr zufrieden mit der Qualität des Programms und der Referenten“, sagte Lehnert. Insgesamt fanden an den vier Konferenztagen 280 Veranstaltungen statt, bei denen 350 Referenten zu Wort gekommen sind. Die diesjährigen Themenschwerpunkte waren Infektion und Entzündung, Telemedizin und Robotik, gastrointestinale Onkologie und Interventionelle Medizin.

Lehnert betonte, dass die positiven Rückmeldungen die Organisatoren der Konferenz darin bestärkt haben, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Dieses Jahr haben rund 1.300 Teilnehmer an der Medica Education Conference teilgenommen. „Nächstes Jahr dürfen es aber gerne noch 500 bis 1.000 Teilnehmer mehr sein“, sagte der Konferenz-Präsident. 

Luft-und Raumfahrtzentrum baut neuartigen Operationsroboter

"Vor 35 Jahren galt: Ein großer Chirurg setzt einen großen Schnitt", sagte Bernhard Kübler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Heutzutage wird bei vielen Operationen die minimal invasive Chirurgie bevorzugt, für die bloß kleine Schnitte gemacht werden müssen. Um diese komplizierte Operationsvariante durchführen zu können, bedürfe es viel Übung.

Beim DLR wird derzeit das Robotersystem "Mirosurge" entwickelt, das derartige Operationen extrem vereinfachen soll. Das System besteht aus mehreren 10 Kilogramm leichten Roboterarmen, einer Eingabekonsole und zwei haptischen Eingabegeräten. Mit Hilfe des Telechirurgiesystems kann der Operateur komplexe Eingriffe per "Schlüssellochchirurgie" durchführen. Im Vergleich zur klassischen minimal invasiven Chirurgie hat man nicht das Problem der Bewegungsumkehr - die Instrumentenspitze des "Mirosurge" bewegt sich in die Richtung, in die der Arzt sie über die Eingabekonsole steuert.

"Das geringe Gewicht und die kompakten Abmessungen der Roboterarme sind für die Nutzung speziell unter eingeschränkten Platzverhältnissen - wie im Operationssaal - ausgelegt", so Kübler.

Derzeit wird am DLR an der robotischen Wasserstrahlchirurgie geforscht, mit der Gewebe abgetragen und Operationen schonender durchgeführt werden können, zudem soll der Tastsinn des Gerätes weiter verbessert werden.

Medical Freezing: Effektive Techniken zum Schutz der Fruchtbarkeit

Ein weiteres Thema, das auf der Konferenz behandelt wurde, ist Medical Freezing. „Nach der Diagnose Krebs sorgen sich vor allem junge Männer und Frauen oft um den Erhalt der Fruchtbarkeit“, sagte Professor Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Leiter des Kinderwunschzentrums in Düsseldorf. Die Chemotherapie schädigt häufig auch Ei- und Samenzellen, wodurch eine Mutter- oder Vaterschaft auf natürlichem Weg ausgeschlossen ist.

Der Reproduktionsmedizin stehen jedoch neben der Konservierung von Spermien einige Optionen zur Verfügung, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. „Insbesondere für Frauen konnten wir effektive Techniken zum Schutz ihrer Fruchtbarkeit etablieren“, sagte Krüssel. So ließen sich Eizellen vor einer Krebstherapie entnehmen, die anschließend befruchtet, eingefroren und nach vollständiger Genesung der Patientin wieder eingesetzt werden. Auch die Entnahme von Eierstockgewebe und die anschließende Aufbewahrung dieses Gewebes kann eine Möglichkeit sein, die Eizellen vor Schaden durch Bestrahlung zu schützen. Nach überstandener Krebsbehandlung lässt sich das Gewebe auftauen und zurück in den Körper verpflanzen.

Durchbruch in der Hepatitis-C-Therapie

„Wir erleben in diesem Jahr eine Revolution der Hepatitis-C-Therapie – die Krankheit wird dadurch zu einer heilbaren Virusinfektion“, sagte Dr. med. Markus Cornberg von der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. In diesem Jahr haben die drei gut verträglichen und hochwirksamen Wirkstoffe „Sofosbuvir“, Simeprevir“ und „Daclatasvir“ die Arzneimittelzulassung erhalten. Bis zum kommenden Jahr sollen noch weitere Medikamente folgen.

Durch die neuen Wirkstoffe verkürze sich die Behandlung von einem Jahr auf meist nur 12 Wochen, erklärte Cornberg. Die bisherigen Therapien mit Interferon führten bei vielen Patienten zu Nebenwirkungen, machten müde und schlapp. Die Betroffenen sind oft Kandidaten für eine Spenderleber. „Die nun mögliche Heilung wird nun auch den Druck bei der Suche nach Spenderlebern sicherlich entlasten“, sagte Cornberg.

Adipositas-Forschung: Auf dick programmiert

Rund ein Drittel aller Schwangeren ist heute in Deutschland übergewichtig, erklärte Professor Dr. med. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm. Er erforscht zurzeit mit seinem Team, inwieweit sich das Übergewicht der Mutter auf den heranwachsenden Embryo auswirkt.

Das Team begleitet eine Gruppe von etwa 1.000 Kindern; zusätzlich untersuchen sie auch die Mütter und Väter der Kinder. Die Forscher stellten fest, dass einige der achtjährigen Kinder bereits eine erhöhte Insulinkonzentration im Blut hatten. Wabitsch vermutet die Ursache dafür in der vorgeburtlichen Entwicklung der Kinder und im Stoffwechsel der Mütter. Die Mütter von Kindern mit einem hohen Insulinspiegel waren häufig schon vor der Schwangerschaft übergewichtig oder fettleibig. Wabitsch geht davon aus, dass die Mütter eine Insulinresistenz hatten, die sie an die Kinder weitergegeben haben.