Bischoff rät zum Prinzip der kleinen Schritte

Bischoff rät zum Prinzip der kleinen Schritte
Prof. Dr. Stephan C. Bischoff

„Wir haben die Chance, veränderbare Krankheiten zu verändern“, sagt der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Stephan Bischoff mit Blick auf das Problem, von dem 4,2 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind.

Auf dem 120. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin verwies Bischoff zunächst auf die Tatsache, dass einerseits für die Gesundheitsversorgung eine auf 15 bis 20 Prozent des Einkommens begrenzte Geldmenge zur Verfügung stehe, andererseits aber durch die höhere Lebenserwartung und die Hightech-Medizin die Kosten latent steigen. „Das sollte uns verstärkt dazu bringen, veränderbare Krankheiten auch zu verändern.“ Und zu diesen veränderbaren Krankheiten gehöre die Adipositas.

Schon jetzt seien rund 50 Prozent der Deutschen betroffen oder gefährdet, 4,2 Millionen erreichen oder überschreiten den als Krankheitsdefinition festgelegten BMI von 35.

Zwar sind in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse zur Pathogenese von Adipositas und assoziierten Erkrankungen gewonnen worden. Zu nennen sind dabei Hirnfunktionen, gut-brain axis, gut-liver axis und das intestinale Mikrobiom. Zudem wurden eine Reihe von Darmmikrobiotika und ihre Rolle für die Energieaufnahme decodiert. Die Darmbarriere, die bakterielle Translokation und daraus resultierende Fettlebererkrankungen zeigen eine Relevanz bei der Entwicklung Adipositas-assoziierter metabolischer Erkrankungen. Das bedeute, dass heute neben den Diabetologen und den Endokrinologen auch Gastroenterologen und Mikrobiologen in die Adipositasforschung einbezogen sind.

Bischoff wies zudem darauf hin, dass es keine Forschungsunterstützung etwa durch die Pharmaindustrie („Das ist deren Problem.“) und verständlicherweise auch nicht durch die Lebensmittelindustrie gebe. Dies verhindere womöglich raschere Schritte bei der Adipositasbekämpfung.

Bischoff rät dabei zum Prinzip der kleinen Schritte – als Vorbild sieht er Kampagnen etwa in den USA. Hier werde zum Beispiel die Parole propagiert, man möge täglich 2000 Schritte gehen. Auch die Elimination von gesüßten Getränken hält Bischoff für eine effektive Maßnahme. Allerdings sei dies ohne einen entsprechenden gesellschaftlichen Konsens nicht umsetzbar.

Was bleibt ist eine gewisse Ratlosigkeit – und eine große Lücke zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung. Trotz umfangreicher genetischer Analysen konnten bislang kaum Risiko-Gene für die Gewichtszunahme und assoziierte Co-Morbiditäten identifiziert werden. Das Ziel der Gen-basierten Individualmedizin bleibt also ein Fernziel.