Auf dem Weg zum Systemdenken

Auf dem Weg zum Systemdenken

DGIM-Kongress fördert Interdisziplinarität – Viel positive Resonanz auf Kongresskonzept von Prof. Märker-Hermann. Unter dem Motto „Vom Organ zum System“ trafen sich 8500 Mediziner zum 119. Internistenkongress. Kongresspräsidentin Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann rückte die systemische Betrachtung des Krankheitsgeschehens in den Fokus.

Mit Märker-Hermann stand erstmals eine Rheumatologin an der Spitze der DGIM, die von ihr als „Muttergesellschaft der Systeme“ bezeichnet wird. Und so rückte das komplexe Krankheitsbild rheumatischer Erkrankungen, für die in naher Zukunft medikamentöse Therapieerweiterungen anstehen könnten, sehr in den Fokus der Tagung.

Zukunft „Small Molecules“

Im Rahmen des Kongresses wurde eine Zulassungserweiterung für den bekannten und bewährten CD20-Antikörper Rituximab für Patienten mit ANCA-assoziierten Vaskulitiden angekündigt. Und auch bei den Biologika stehen neue Therapieansätze vor der Tür. Als besonders spannend werden die Medikamentenentwicklungen bei den Kinaseinhibitoren eingestuft, die gezielt in Signalkaskaden von Immunzellen eingreifen und deren Funktion blockieren. Der Vorteil dieser „Small Molecules“ ist, dass sie einfacher herzustellen sind als Biologika und oftmals auch als Tabletten eingenommen werden können. Derzeit befinden sich rund 20 solcher „Small Molecules“ für unterschiedliche rheumatische Erkrankungen in klinischen Studien.

Die Kongresspräsidentin, Direktorin der Klinik für Rheumatologie, klinische Immunologie und Ne¬phro¬logie der HSK Dr. Horst Schmidt Klinik in Wiesbaden, riet im Gespräch mit unserer Zeitung den rheumatologischen Kollegen, die klassischen Risikofaktoren in den Praxen nachzufragen und, wenn notwendig, antihypertensiv und Cholesterin-senkend zu behandeln. Und: „Bei den Allgemeininternisten und Kardiologen besteht ein wenig die Tendenz, das Rheuma zu vergessen. Rheuma ist aber ein klassischer Risikofaktor – ähnlich wie Diabetes mellitus“, unterstrich Märker-Hermann.

In mehr als 1700 Sitzungen, Vorträgen, Kursen und Workshops vermittelten mehr als 1200 Referenten in Wiesbaden den aktuellen Wissensstand in der Inneren Medizin. Weit mehr als zufrieden ist die Kongresspräsidentin denn auch mit dem Verlauf „ihrer“ Tagung: „Ich habe ein großes positives Feedback speziell zu den Symptom-orientierten interdisziplinären Symposien bekommen. Das Ziel war ja, die einzelnen Spezialitäten zusammenzubringen – und genau das wurde sehr positiv bewertet.“ Besonderen Anklang fanden auch die „Pro-und-contra“-Sitzungen. Märker-Hermann: „Mir ist wichtig, dass man sich nicht allein auf Leitlinien stützt, sondern auch Contra-Positionen zu Wort kommen lässt und darüber diskutiert.“

Ein weiteres Highlight dieses Kongresses waren die interaktiven Symposien unter Einbeziehung der Teilnehmer in Form von durch TED-Befragungen („Wie hätten Sie es gemacht?“). Und so bilanziert Märker-Hermann: „Jeder konnte für die Praxis etwas gewinnen, und man konnte in jeder Sitzung erleben, wie Forschung zu angewandtem Wissen wird.“

Patiententag: 800 Besucher

Der Patiententag mit mehr als 800 Besuchern im Wiesbadener Rathaus rundete den Kongress ab. Hier konnten sich Experten und Selbsthilfegruppen in kostenlosen Seminaren, Vorträgen und an Ständen über Erkrankungen von Herz, Lunge, Nerven und Nieren informieren. Im DRK-Zelt frischten zahlreiche Besucher ihr Wissen im Erste-Hilfe-Kurs auf.

Mit dem Kongress endete auch die Amtszeit Märker-Hermanns. Ihr Nachfolger, Prof. Dr. Michael Peter Manns, lobte seine Vorgängerin: „Sie hat einen wunderbaren Kongress veranstaltet.“