Anzahl der Zentren auf dem Prüfstand

Anzahl der Zentren auf dem Prüfstand

Mit der Gründung einer Kommission reagieren DGIM und DGCH auf die jüngsten Unregelmäßigkeiten in den Transplantationszentren. DGIM-Generalsekretär Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch erläutert die Ziele der Kommisssion.

SPECTATOR: Herr Prof. Fölsch, DGIM und DGCH richten als Reaktion auf jüngste Pobleme eine „Task Force Transplantationsmedizin“. Welche konkreten Aufgaben hat diese?

Prof. Fölsch: Die Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie haben gemeinsam diese Arbeitsgruppe eingerichtet, um auf der Ebene der Fachgesellschaften ein Signal zu setzen, dass wir auf der einen Seite die aufgetretenen Probleme sehr ernst nehmen und auf der anderen Seite durch die gemeinsame Arbeitsgruppe zu erkennen geben, dass nur Internisten und Chirurgen gemeinsam Wege aufzeigen können, wie künftig die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten in den Zentren verhindert werden können.

SPECTATOR: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die Fehler in den Transplantationszentren?

Prof. Fölsch: Es gibt verschiedene Gründe, die die Transplantationszentren bzw. deren Leiter veranlasst haben könnten, Patienten auf der Warteliste nach oben zu manipulieren: Jede medizinische Fakultät hat das Gefühl, dass es zu ihrem Renommee beiträgt, ein vorzeigbares Transplantationszentrum zu haben. Darüber hinaus haben wir einen bekannten Mangel an Spenderorganen; d. h., zwischen den Zentren besteht ein erheblicher Konkurrenzdruck, Organe von Eurotransplant zu erhalten. Darüber hinaus gab es mindestens in einem der Zentren Bonusvereinbarungen; d. h., pro durchgeführter Transplantation wurde ein signifikanter Bonus gezahlt. Letztlich ist es Aufgabe der Zentren, auch jüngere Kollegen in der Transplantationstechnik auszubilden, und dazu bedarf es einer gewissen Anzahl von Operationen pro Jahr. Es gibt also eine Reihe von Gründen, die die betroffenen Zentren veranlasst haben mögen, an den Wartelisten vorbei Patienten ganz nach oben zu hieven.

SPECTATOR: Die hohe Anzahl an Transplantationszentren in Deutschland ist ein Thema. Wie kann das Problem gelöst werden?

Prof. Fölsch: In der Tat ist es so, dass die Anzahl der zugelassenen Transplantationszentren in Nordamerika 1,4 auf 10 Millionen Einwohner beträgt, während es in Deutschland doppelt so viele sind, nämlich 2,8 pro 10 Millionen Einwohner. Es ist eine der wesentlichen Aufgaben der eingerichteten Arbeitsgruppe, sich mit diesem Problem zu beschäftigen und mögliche Lösungen anzubieten.

SPECTATOR: Mit der Kommission behalten die beiden Fächer das Heft des Handelns in der Hand. Wie wichtig ist Ihnen dieser Aspekt?

Prof. Fölsch: Wie ich oben schon erwähnt habe, erscheint es mir ganz vordringlich zu sein, nach außen das Signal auszusenden, dass die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie diese Probleme ganz ernst nehmen und sich bewusst sind, dass Lösungsvorschläge nur aus ihren Reihen heraus entwickelt werden können. Insbesondere erscheint es mir äußerst wichtig, dass das Signal nach außen getragen wird, dass Entscheidungen zur Transplantation immer gemeinsame Entscheidungen sind und nicht von einer Gruppe allein vollzogen werden dürfen. Es sollte das Sechs-Augen-Prinzip angewandt werden!

SPECTATOR: Ein Wort noch zum Kongress: Warum dürfen Kollegen auf keinen Fall diesen Kongress verpassen?

Prof. Fölsch: Trotz der zunehmenden Fortbildungsmöglichkeiten, auch auf elektronischem Wege, erfreut sich der Internistenkongress in Wiesbaden ungebrochener Beliebtheit. Nirgendwo sonst wird ein so breiter Strauß von verschiedenen internistischen Themen in solcher Fülle angeboten. Nirgendwo sonst hat man die Möglichkeit, unter 8000 Kongressbesuchern interessante Gesprächspartner zu finden oder sich mit diesen zu verabreden. Und nie ist Wiesbaden so schön wie im April!