Eindämmung von VRE

Antibiotic Stewardship in Hämatologie und Onkologie

Antibiotic Stewardship in Hämatologie und Onkologie
PD Dr. med. Jörg Janne Vehreschild Foto: privat

In den vergangenen Jahren sind Kolonisation und Infektion durch multiresistene Erreger (MRE) weltweit zu einem alltäglichen Bild bei stationären Patienten geworden. Mehrere Studien haben gezeigt, dass extensive antibiotische Therapie der wichtigste Risikofaktor für eine Besiedlung und auch Blutstrominfektion durch vancomycinresistente Enterokokken (VRE) sind.

Auch für die Clostridium difficile Infektion (CDI), die vierthäufigste nosokomiale Infektion in deutschen Krankenhäusern, sind zuvor verabreichte Antibiotika eine wesentliche Vorbedingung.

Die wesentlichen Strategien zur Eindämmung von VRE, die auf Seiten der Kliniken verwendet werden können, sind Hygienemaßnahmen zur Verhinderung von Übertragungen, und die gezieltere Verwendung von Antibiotika im Rahmen sogenannter „Antibiotic Stewardship“ (ABS) Programme. Diese ABS-Programme zielen darauf ab, durch Schulung und Überwachung die Verordnung unnötiger Antibiotika zu verhindern und den notwendigen Einsatz von Antibiotika so kurz, gezielt und effektiv wie möglich zu gestalten.

Aufgrund der Schwere der behandelten Krankheitsbilder ist der Bereich der Hämatologie und Onkologie allerdings häufig von ABS-Programmen ausgenommen: Allgemeine Empfehlungen zur antibiotischen Therapie scheinen intuitiv im Widerspruch zu den schwerst immunsupprimierten, multimorbiden Patienten in diesem Bereich zu stehen. Dabei ist der Antibiotikaverbrauch in der Hämatologie und Onkologie besonders hoch. Eine Erhebung der Uniklinik Freiburg ergab, dass auf der Hämatologie/Onkologie von bestimmten Universitätsklinika für 100 Pflegetage mitunter mehr als 200 Tagesdosen Antibiotika verbraucht werden – das bedeutet, jeder Patient der Abteilung erhielt an jedem Tag seiner Anwesenheit durchschnittlich zwei oder mehr Antibiotika. Dementsprechend liegen in diesen Bereichen die Raten von MRE und CDI nachweislich besonders hoch.

Es werden daher dringend Strategien benötigt, auch bei Hochrisikopatienten einen möglichst rationalen Umgang mit Antibiotika zu erreichen, ohne dabei Kompromisse für die Sicherheit der Patienten zu machen. An der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik wurde im Juli 2014 ein ABS Programm implementiert. Dieses Programm umfasst Empfehlungen für typische klinische Situationen, die in Form von Trainings und Schulungsmaterial in der Klinik implementiert wurden. Zusätzlich wurde der Erfolg der Maßnahmen mit Punktprävalenzuntersuchungen gemessen und gegebenenfalls gezielt nachgeschult. Die hauptsächliche Intervention bestand daraus, schwerwiegende Infektionen von unkomplizierten Verläufen klinisch stärker zu unterscheiden und empirische Therapieumstellungen nach erfolgloser Erstlinientherapie für Patienten der ersten Gruppe zu reservieren. Hierdurch wurde der Verbrauch sogenannter Reserveantibiotika, hier definiert als Carbapeneme, Linezolid, Daptomycin, Tigecyclin, Vancomycin und Teicoplanin, bereits kurzfristig um 15 Prozent reduziert.

Dies deutet an, dass ABS Strategien auch in der Hämatologie und Onkologie angenommen werden und erfolgreich sein können. Für die Zukunft wird ein breiter Konsens im Bereich der Hämatologie und Onkologie benötigt, wie ABS Maßnahmen und entsprechende Prozessindikatoren in diesem Bereich gestaltet werden können.