Mit sehr hoher Genauigkeit Alzheimer vorhersagen

Alzheimer-Therapien starten zu spät

Alzheimer-Therapien starten zu spät
PD Dr. med. Judith Alferink © privat

Mit modernen Methoden können Mediziner die Erkrankung bereits diagnostizieren bevor ihre Symptome sich bemerkbar machen. Privatdozentin Dr. med. Judith Alferink erläutert auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015, welche Therapieansätze derzeit erforscht werden.

Bereits viele Jahre vor dem Auftreten von klinischen Symptomen kommt es bei der Alzheimer-Krankheit zu
Veränderungen des Gehirns, in deren Folge Nervenzellen absterben. Die zugrunde liegenden neurodegenerativen Prozesse sind bis heute noch nicht vollständig entschlüsselt.

Was bekannt ist: „Für den Rückgang von Hirngewebe ist die Ablagerung von fehlerhaft gebildeten Eiweißen verantwortlich, den sogenannten Beta-Amyloiden“, erläutert Privatdozentin Dr. Judith Alferink, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Münster. „Zusätzlich lagern sich unlösliche Fasern, die sogenannten Tau-Fibrillen, innerhalb der Nervenzellen ab. Neben diesen Anzeichen der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einer Entzündungsreaktion im Gehirn.“ Die Erkrankung sollte in einem frühen Stadium erkannt werden, idealerweise noch vor dem Auftreten der ersten Symptome, fordert sie.

Verfahren der Frühdiagnostik

Zu den Verfahren der Frühdiagnostik zählen zum einen neuropsychologische Tests, um die für die Alzheimer-Krankheit typischen Gedächtnisstörungen zu erfassen. Der Nachweis von Nervenzelluntergang in  charakteristischen Gehirnregionen kann mittels Bildgebung des Gehirns, beispielsweise Kernspintomografie (MRT), erfolgen. Eine verminderte Stoffwechselaktivität in betroffenen Hirnarealen ist mittels funktioneller Bildgebung wie der Positronen-Emissionstomografie (PET) nachweisbar. Zusätzlich können die beschriebenen,
fehlerhaft gefalteten Eiweiße im Nervenwasser nachgewiesen werden: Bei der Alzheimer-Krankheit findet man erniedrigte Werte für Beta-Amyloid und erhöhte Werte für phosphoryliertes Tau.

Die Alzheimer-Krankheit ist zwar bislang nicht heilbar, allerdings kann das Fortschreiten der Erkrankung durch eine rechtzeitig einsetzende medikamentöse Therapie mit Antidementiva verlangsamt werden.

Impfung gegen Alzheimer?

„Derzeit wird erforscht, ob man Patienten schon früh gegen die gefährlichen Eiweißablagerungen im Gehirn impfen kann, welche die Krankheit kennzeichnen“, erklärt die Expertin. Die Impfstrategien sollen dabei das Immunsystem des Patienten anregen, die krankhaften Proteine anzugreifen. Insbesondere die zielgerichtete Beeinflussung von Immunzellen sei dabei eine große Herausforderung und stelle ein vielversprechendes Forschungsziel mit erheblichem Therapiepotenzial dar.