Individuelle Antikoagulation beim kardiovaskulären Risikopatienten

„Alles führt zu allem“

„Alles führt zu allem“
©Reinhart

Bei einem von Bayer ausgerichteten Industriesymposium sprachen drei Experten auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen über die individuelle Antikoagulation beim kardiovaskulären Risikopatienten.

Den Einstieg in die Session machte Prof. Dr. Harald Darius, Berlin. Er ging der Frage nach, welcher KHK-Hochrisikopatient am meisten von individuellen Therapieoptionen profitiert. Darius betonte, dass eine relativ hohe Morbidität wie auch Mortalität immer noch als Hauptproblem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten. Trotz leitliniengerechter Sekundärprävention bestehe für Patienten mit KHK/pAVK ein hohes kardiovaskuläres Risiko. Bei Antikoagulation und Antiplättchentherapie (Warfarin plus ASS) komme es zu großen Blutungskomplikationen. „Mit einer sorgfältigen individuellen Dosierung lassen sich die Todesfälle allerdings um ein Drittel reduzieren“, sagte Darius.

Rivaroxaban in vaskulärer Dosis (2,5 mg zwei Mal täglich) plus ASS senke den kombinierten Endpunkt (MI, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod) signifikant und sei daher dem bisherigen Standard ASS signifikant überlegen.

23 Prozent Mortalitätssenkung

Schwere Blutungen seien dabei wie zu erwarten signifikant erhöht, lagen jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. Tödliche, intrakranielle Blutungen sowie Blutungen in ein kritisches Organ seien hingegen nicht signifikant erhöht. Die Gesamtmortalität sei um 23 Prozent gesenkt gewesen (p=0,0012, KHK-Subgruppe).

Obwohl es schwierig sei, herauszufiltern, welche Risikogruppe am meisten profitiert, sei der Benefit aber grundsätzlich am höchsten, je höher das individuelle Risiko des Patienten sei.

Insbesondere bei Patienten mit Komorbiditäten, die ein besonders hohes KV-Risiko haben, erziele die Zugabe der vaskulären Dosierung von Rivaroxaban zu ASS den absolut betrachtet größten Vorteil.

VHF und Niere

Prof. Dr. Hendrik Bonnemeier (Foto), Kiel, ging auf den kardiovaskulären Risikopatienten mit nvVHF und eingeschränkter Nierenfunktion ein.

Bonnemeier riet, auch begleitende internistische Erkrankungen zu beachten, die VHF bedingen können, wie z. B. Diabetes, Adipositas, arterieller Hypertonus, OSA, HFrEF, HFpEF u. v. m. „Es handelt sich dabei um sehr komplexe Zusammenhänge, alles führt zu allem“, sagte Bonnemeier. Dennoch seien Nierenfunktionsstörungen eine der häufigsten Komorbiditäten bei VHF. VHF-Patienten mit CKD haben ein erhöhtes Schlaganfall- und vor allem Blutungsrisiko. Rivaroxaban habe konstante Ergebnisse in Rocket-AF-Subgruppen und den RWE-Studien gezeigt. Bei nVHF bleibe die Nierenfunktion im Vergleich mit VKA besser erhalten. Während der Antikoagulation zeige sich unter Warfarin eine größere Kalzifizierung als unter Rivaroxaban. Die Sicherheit und Effektivität von Rivaroxaban zeige sich auch gegenüber Phenprocoumon bei CKD.

Blickwinkel Diabetologie

Aus Sicht des Diabetologen betrachtete Dr. Dieter Burchert, Mainz, den vaskulären Patienten. Die Dualtherapie Rivaroxaban plus ASS könne laut vorgestellten Stu‧dien schwere kardiale Komplikationen um 28 Prozent reduzieren, beim klinischen Endpunkt könne eine Verbesserung um 31 Prozent erzielt werden. Die Blutungsraten seien dabei sehr gering. „Für die Diabetologie sehe ich eine Zunahme an Aufgaben – es geht nicht mehr nur um die Reduzierung des HbA1c-Wert“, hielt Burchert fest. Der Mainzer stellte einen konsequenten Nikotinverzicht, ein optimales Lipidmanagement und eine optimierte Blutdrucktherapie als Meilensteine fest. Als Ziel für die tägliche Praxis formulierte Burchert, kardiovaskuläre Hochrisikopatienten zu finden und ihnen konsequent zu helfen.