Gastroösophageale Refluxkrankheit

Alginat: zentraler Therapiepfeiler einer facettenreichen Erkrankung

Alginat: zentraler Therapiepfeiler einer facettenreichen Erkrankung
Prof. Joachim Labenz ©Reckitt Benckiser

Auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) bot ein Symposium von Reckitt Benckiser praxisnahe Einblicke in die Behandlung von Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD).

Dabei wurden zwei wesentliche Aspekte deutlich: Zum einen handelt es sich um eine sehr facettenreiche Erkrankung; den typischen GERD-Patienten gibt es nicht. Zum anderen bietet ein Alginat wie Gaviscon® in der Therapie der GERD häufig eine sinnvolle Therapieoption – als Alternative, ebenso wie als Add-on zu einem Protonenpumpen-Inhibitor (PPI).

„Aus randomisierten Studien wissen wir, dass ein Alginat einem PPI hinsichtlich einer verbesserten Refluxsymptomatik nicht unterlegen ist“, erklärte Prof. Manfred Gross, München. Dabei bezog sich der Gastroenterologe konkret auf eine randomisierte, doppelblinde Studie, in der 183 Patienten mit nicht-erosiver Refluxerkrankung entweder mit einem Alginat oder mit Omeprazol behandelt worden waren. Nach einer Behandlungszeit von vier Wochen wiesen die Studienteilnehmer in beiden Armen eine vergleichbare Besserung der Refluxsymptomatik auf (p=0,175).1 Die Relevanz dieses Ergebnisses für die ärztliche Praxis verdeutliche Gross am Beispiel einer 47-jährigen Frau, die seit mehr als zwei Jahren an rezidivierendem Sodbrennen leidet. Unter initialer Behandlung mit einem PPI war die Patientin zunächst beschwerdefrei. Da die Patientin den PPI nicht dauerhaft einnehmen wollte, kam es nach Absetzen zu einem Rebound der Refluxsymptome. Gerade in Situationen wie diesen könne der Wechsel auf ein Alginat zielführend sein, betonte Gross. „In vergleichbaren Situationen ist ein Wechsel von PPI auf Alginat häufiger möglich als gemeinhin angenommen“, ergänzte Prof. Joachim Labenz, Siegen.

Alginat bei Schwangeren mit GERD

Auch für Patienten mit einer anderen Ätiologie der GERD bietet ein Alginat eine sinnvolle Alternative zu einem PPI. Dies machte Dr. Birgit Tillenburg, Dorsten, am Fall einer schwangeren Frau mit Refluxsymptomatik deutlich. Statt dieser Patientin unmittelbar einen PPI zu verschreiben, sprach sich die Gastroenterologin für eine schrittweise Intensivierung der Behandlung aus. Demnach seien im ersten Schritt nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Ernährungsumstellung oder Schlafen mit erhöhtem Oberkörper indiziert. Falls dieses Vorgehen nicht zu einer Symptomverbesserung führe, sei die Gabe eines Alginats sinnvoll. Erst wenn diese Behandlung keine zufriedenstellende Wirkung zeige, solle aus Sicht von Tillenburg ein PPI erwogen werden. Die Ärztin unterstrich, dass eine durch Schwangerschaft induzierte GERD zeitlich begrenzt und nur in ca. 15 % der Fälle eine medikamentöse Behandlung indiziert sei. Labenz fügte hinzu, dass ein Alginat aus seiner Sicht gegenwärtig die beste medikamentöse Therapie bei Schwangeren mit GERD sei.

Bei GERD zielführend: Alginat-Add-on zu PPI

Dass ein Alginat zudem eine sinnvolle Ergänzung zu einer Therapie mit PPI sein kann, zeigen die Ergebnisse einer prospektiven, multizentrischen Studie.2 Darin wurden 155 Refluxpatienten, die unter einer PPI-Dauertherapie (≥1 Jahr) unzufrieden waren, bedarfsabhängig mit Alginat als Add-on behandelt. Nach zwei Wochen gaben 72 % dieser Studienteilnehmer eine Verbesserung von mindestens einem Punkt gemäß 5-Punkte-Likert-Skala an. Im Zusammenhang mit dieser Therapieoption betonte Tillenburg, dass es sinnvoll sei, mit den Patienten auch das Thema Lebensstiländerung zu besprechen. Faktoren wie Gewichtsnormalisierung, eine kohlenhydrat- und fettarme Ernährung sowie das Vermeiden von Noxen (z.B. Alkohol) hätten ebenfalls großen Einfluss auf den Therapieerfolg, so die Gastroenterologin. Zudem wurde deutlich, dass bei PPI-refraktären GERD-Patienten auch differentialdiagnostische Überlegungen sinnvoll seien.

In diesem Zusammenhang ging Prof. Stephan Miehlke, Hamburg, auf die Bedeutung der eosinophilen Ösophagitis (EoE) als mittlerweile häufigste Differentialdiagnose bei Verdacht auf GERD ein. Der Gastroenterologe wies darauf hin, dass die EoE durch sehr variable Endoskopiebefunde und eine altersabhängige Symptomatik charakterisiert sei. Patienten mit EoE müssten völlig anders behandelt werden als GERD-Patienten, betonte Miehlke und verwies dabei auf die neu zugelassene Therapie mit lokal wirkendem Budesonid in Form einer Schmelztablette.

Am Ende des Symposiums waren sich die Referenten einig, dass ein Alginat bei vielen der unterschiedlichen GERD-Patienten eine sichere und wirksame Therapieoption sei.

1Chiu CT et al. Aliment Pharmacol Ther 2013;38:1054-1064
2Müller M et al. Dtsch med Wochenschr 2019;144:e30-e35