Akuter Myokardinfarkt in der Notaufnahme

Akuter Myokardinfarkt in der Notaufnahme
Eur Heart J. 2011 Dec;32(23):2999-3054. Figure 5, hier: S. 3042

Rassaf und Kelm: Schnelle Diagnostik, zielgerichtetes Management: Chest Pain Units optimieren die Versorgung von Patienten mit Akutem Koronarsyndrom. Experten dort klären Thoraxschmerz schnell ab und leiten die Therapie umgehend ein.

Unter dem Begriff „Akutes Koronarsyndrom“ (ACS) werden die instabile Angina, der Nicht-ST-Elevationsmyokardinfarkt (NSTEMI) und der ST-Elevationsmyokard‧infarkt (STEMI) zusammengefasst. Da es sich um lebensbedrohliche Erkrankungen handelt, sind die schnelle und effiziente Diagnostik sowie eine zielorientierte Therapie unabdingbar. Eine besondere Herausforderung stellen Patienten dar, die sich mit einer atypischen Beschwerdesymptomatik vorstellen.

CPUs retten Leben

Zur optimalen Versorgung von Patienten mit akutem Myokardinfarkt wurden in den letzten Jahren Chest Pain Units (CPU) etabliert. Prof. Tienush Rassaf und Prof. Malte Kelm erklären das optimale Management von Patienten mit akutem Myokardinfarkt auf der Notaufnahmestation/CPU und weisen auf diagnostische und therapeutische Schritte hin, die eingehalten werden müssen.

Ziel einer CPU ist es, den akuten oder neu aufgetretenen unklaren Thoraxschmerz schnell und zielgerichtet abzuklären. Bei jedem Patienten, der sich mit Brustschmerzen auf der Notaufnahme/CPU vorstellt, muss innerhalb von zehn Minuten ein 12-Kanal-Elektrokardiogramm (EKG) geschrieben und durch einen Arzt ausgewertet werden. Bei dokumentierten ST-Streckenhebungen liegt ein ST-Eleva‧tionsmyokardinfarkt (STEMI) vor. Dann ist eine sofortige Koronardiagnostik/-intervention im Herzkatheterlabor notwendig. In diesem Fall wird die Diagnose über die typische Symptomatik und das EKG gestellt. Die Bestimmung kardialer Marker (i.e. Troponin) darf nicht abgewartet werden.

Bei Verdacht auf akutes Koronarsyndrom wird sofort eine Echokardiografie durchgeführt. Bei allen anderen Patienten müssen die klinische Beschwerdesymptomatik, kardiale Biomarker (hsTroponin, CK, CKMb) zusammen mit EKG-Veränderungen bewertet werden. Das „Rapid-rule-out“-Protokoll (Abbildung 1) zum schnellen Ausschluss eines akuten Infarkts mit Bestimmung von hsTroponin bei Aufnahme und nach drei Stunden wird empfohlen. Bei jedem Patienten mit V. a. Vorliegen eines ACS sollte eine Echokardiografie durchgeführt werden, um die globale linksventrikuläre Funktion einzuschätzen und regionale Wandbewegungsstörungen zu diagnostizieren.

Die klinische Untersuchung und Einschätzung des Patienten durch den Arzt ist unabdingbar. Unterstützt werden sollte das durch validierte Scores wie den GRACE-Risk-Score (GRACE: Global Registry of Acute Coronary Events).

Herausforderungen

Frauen, Diabetiker und ältere Patienten stellen eine besondere Herausforderung für den behandelnden Arzt auf der Notaufnahme/CPU dar, weil sie sich oft nicht mit den typischen retrosternalen Brustschmerzen vorstellen, sondern eher über Dyspnoe, Übelkeit sowie abdominelle Beschwerden klagen. In diesen Fällen ist besondere Vorsicht anzuraten, damit die Grunderkrankung, i.e. der akute Myokardinfarkt, nicht übersehen wird.Grundvoraussetzungen

Besondere Strukturen, wie die Präsenz eines Kardiologen, die 24-Stunden-Herzkatheterbereitschaft, die enge Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst der Feuerwehr und die Kooperation mit den anderen Fachdisziplinen (e.g. Radiologie, Intensivmedizin) vor Ort, sind Grundvoraussetzungen für eine optimale Versorgung des Infarktpatienten.

Prof. Dr. Tienush Rassaf ist Mitglied im Leitungsteam der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und hat eine Heisenberg-Professur für Innere Medizin und Herzinfarktforschung inne.

Prof. Dr. Malte Kelm ist seit 2009 Direktor der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Klinische Schwerpunkte: Therapie des akuten Herzinfarkts und interventionelle Kathetertechniken.

Halle 5 Sa, 26.4.,16:30 Uhr